placeholder placeholder placeholder placeholder placeholder placeholder placeholder placeholder

Dortmund macht elektromobil

Der Einsatz von Elektro-LKW und Cargobikes hat das Potenzial, die logistischen Prozesse in den Städten grundlegend zu verändern. (Foto: Steffen Kugler)

30. November 2015 | von Axel Granzow

Eine Handvoll Projekte bundesweit

Die Initiative „Schaufenster Elektro-mobilität“ der Bundesregierung fördert 139 Projekte. Nur sieben davon befassen sich mit dem Güterverkehr:

Baden-Württemberg
Das Projekt „Urbaner logistischer Wirtschaftsverkehr“ untersucht den Einsatz von Elektromobilität im innerstädtischen Lieferverkehr. Im Feldversuch der drei Paketdienste DHL, DPD und UPS soll dabei geklärt werden, unter welchen Bedingungen sich elektrische Transporter mit heute verfügbarer Technik wirtschaftlich einsetzen lassen.

Baden-Württemberg
Im Rahmen des Projekts „Elena II“ wird ein nachrüstbarer Elektroantrieb für Diesel-Lieferfahrzeuge bis zur Kleinserienreife gebracht. Ziel ist es, kleinen und mittelständischen Betrieben einen schnellen und kostengünstigen Einstieg in die Elektromobilität zu ermöglichen.

Berlin Brandenburg
Das Projekt „Smart E-User“ untersucht den Einsatz von Elektronutzfahrzeugen in der städtischen Logistik. Durch die Vernetzung von Elektrofahrzeug, Logistikprozess, Verkehrs-, IT- und Energiesystem soll ein wirtschaftlich tragfähiges Konzept des elektromobilen, urbanen Wirtschaftsverkehrs entwickelt und erprobt werden.

Berlin-Brandenburg
Das Projekt „KV-E-CHAIN“ demonstriert erstmals eine vollständig elektrifizierte Lieferkette im kombinierten Verkehr. Dabei werden Waren in Containern und Wechselbrücken mit der Bahn in den Berliner Westhafen geliefert und von dort mit schweren E-LKW weiterverteilt.

Berlin-Brandenburg
Im Projekt „Nanu!“ werden mittelschwere elektrische mit Batteriewechselsystem Lieferfahrzeuge im Mehrschichtbetrieb erprobt. Die Ausdehnung der Lieferzeiten in die Nacht entlastet die Innenstädte tagsüber und verbessert die Wirtschaftlichkeit elektrischer Nfz.

Berlin-Brandenburg
Im Rahmen des Projekts „Dislog“ wird ein innerstädtisches Logistikkonzept für den Einsatz elektrisch angetriebener Nfz bei Kep-Diensten untersucht. Daraus sollen Erkenntnisse für eine wirtschaftliche und ökologische Stadtversorgung mit E-Nfz abgeleitet werden.

Bayern-Sachsen
Das Projekt „E-Lieferungen-Allgäu“ prüft die Eignung der Elektromobilität für den Lieferverkehr im ländlichen Raum. Dabei sind 40 elektrisch angetriebene Lieferfahrzeugen im Standardlieferverkehr von Kep-Diensten unterwegs.

www.schaufenster-elektromobilitaet.org

Der zunehmende innerstädtische Verkehr – insbesondere Güterverkehr – bereitet den Verantwortlichen in den großen Städten zunehmend Kopfzerbrechen. Meist steht dabei die Zunahme von Schadstoff- und Lärmemissionen im Vordergrund. Einige sehen in strikten Regeln für die Zufahrt ein probates Mittel, um die Verkehrsströme unter Kontrolle zu halten, andere konzentrieren sich auf die Entwicklung von Alternativen. Ein Beispiel ist Dortmund: Die Stadtverwaltung setzt mit Hilfe von ansässigen Unternehmen und dem Fraunhofer-Institut für Materialfluss und Logistik IML auf „Innovation statt Verbot für den innerstädtischen Lieferverkehr“. Im Vordergrund stehen dabei die Förderung des Einsatzes und die Erprobung von Elektro-LKW – aber auch des „Cargobike“ für die letzte Meile.

Entzerrung der Verkehrsströme

„Wir brauchen neue Lösungen und Innovationen für urbane Lieferverkehre, um Fahrverbote für LKW überflüssig und Klagen gegen Lärmanstieg, die für unseren Standort kontraproduktiv wären, unnötig zu machen“, sagt Thomas Westphal, Geschäftsführer der Wirtschaftsförderung Dortmund. Aktuell läuft hier das Projekt „Genalog – Geräuscharme Logistik in der Nacht“. Es ist ein Nachfolgeprojekt von „Elmo – elektromobile urbane Wirtschaftsverkehre“. Beides sind Projekte des Fraunhofer IML. Dabei wird direkt mit Nutzern batterieelektrischer Fahrzeuge zusammengearbeitet. Bei Genalog sind dies der Discounter Tedi und die Handelskette Rewe. Bei Elmo waren das ABB Busch-Jaeger Elektro, CWS-Boco, Tedi und UPS Deutschland.

„Mit Genalog wollen wir Lösungen entwickeln, um Bewohner vor Störungen durch Lärm, Licht, Abgase und Gerüche zu schützen, die sich durch konventionelle Diesel-LKW ergeben“, erläutert Prof. Alex Vastag, Leiter des Bereichs Verkehrslogistik am Fraunhofer IML. Ziel des Projekts sei es, Maßnahmen zu finden, die Lärmquellen entgegenwirken. Dazu zählen neben dem geräuscharmen Antrieb der Lieferfahrzeuge auch Rollcontainer oder dämpfende Materialien im und um das Fahrzeug herum. Bis Mitte 2014 wurden bereits über 100.000 Fahrtkilometer und rund 11.000 Fahrtstunden elektrischer Nutzfahrzeuge erfasst und ausgewertet.

Skepsis gegenüber E-Mobilität

„Elektrische Antriebe werden oft noch zurückhaltend betrachtet“, meint Vastag. Insbesondere die geringe Reichweite und der hohe Anschaffungspreis würden bemängelt. Doch gerade regelmäßig verwendete Routen, feste Servicegebiete und kurze Fahrstrecken in der Stadt seien für den Einsatz elektrischer Fahrzeuge besonders geeignet, wie sich herausgestellt habe, so das Fraunhofer IML. Kämen häufiges Anfahren und Abbremsen beziehungsweise nicht umfahrbare Staus oder Stop-and-go-Phasen dazu, hätten solche Fahrzeuge deutliche wirtschaftliche Vorteile – auch wenn sie in der Anschaffung noch sehr teuer sind. Sie kosten etwa dreimal so viel wie ein herkömmlicher LKW. „Entscheidend ist aber eine Kostenbetrachtung über den gesamten Lebenszyklus“, sagt Vastag. Denn solche Fahrzeuge rechneten sich über Einsparungen im Betrieb.

Unschlagbar bei den Betriebskosten

„Der elektrische LKW wird günstiger betrieben als ein herkömmlicher Diesel-LKW“, bestätigt Thomas Bovelette, Geschäftsführer der Tedi Logistik GmbH. Der Discounter setzt neben vier Dieselfahrzeugen inzwischen zwei E-LKW zur Belieferung seiner Filialen rund um Dortmund ein. Der rein elektrisch betriebene 12-Tonner erfülle die gleichen Anforderungen wie ein Dieselfahrzeug, so Bovelette. Lediglich die Reichweite sei geringer. Während das Fahrzeug im Laufe des Tages zum zweiten Mal beladen werde, erfolge aber eine Schnellladung der Batterien, so dass sich die Tagesleistung ausweiten lasse. Dies genüge, um das Ruhrgebiet und das Sauerland zu beliefern.

Insbesondere in der Nacht sei der Einsatz der E-LKW wirtschaftlich sehr interessant, erklärt Bovelette, da die LKW länger genutzt werden könnten. Außerdem werde die Technik immer günstiger, meinte er. Das zweite E-Fahrzeug von Tedi habe bereits aufgrund des technischen Fortschritts in der Anschaffung 15 Prozent weniger gekostet als das erste. Der Handelsmanager bemängelte allerdings, dass es noch keine Werkstätteninfrastruktur für E-Fahrzeuge gibt. Die Behebung von Defekten sei daher aufwendiger.

Colin Hillig, Projektleiter Logistik bei der Dortmunder Einkaufsgenossenschaft für Obst und Gemüse (Doego), einer Tochtergesellschaft der Rewe-Gruppe, setzt dagegen auf eine Kombination mit einem Verbrennungsmotor. Die Genossenschaft plant für den Transport von Obst und Gemüse noch in diesem Jahr einen ersten Test mit einem Hybridfahrzeug. Dabei sollen auch andere lärmmindernde Techniken eingesetzt werden, etwa bei der Kühlung.

„Ich gehe davon aus, dass Hybridfahrzeuge für unsere Anforderungen wirtschaftlicher sind, weil längere Strecken zurückgelegt werden können“, sagt Hillig. Die letzten innerstädtischen Wege könnten dann leise mit dem Elektromotor bewältigt werden. Die Batterien könnten außerdem während der „Dieselfahrt“ aufgeladen werden.

Derzeit zählt Doego noch 33 Diesel-LKW im Fuhrpark, mit denen 450 Rewe-Filialen im Ruhrgebiet beliefert werden. „Bei einer Anlieferung in der Nacht mit leisen LKW könnten wir auf die Hälfte unseres Fuhrparks verzichten“, beschreibt Hillig das Einsparpotenzial – zwischen 22 und 6 Uhr morgens parkt die Fahrzeugflotte bislang auf dem Betriebshof.

Unterwegs auf zwei bis drei Reifen

Stolz sind die Wirtschaftsförderung Dortmund und die IHK Dortmund auch auf die Initiative „Cargobike“, die den gewerblichen Einsatz von Lastenrädern fördert. Die Cargobikes sind breiter als normale Fahrräder und können größere Mengen transportieren. Annette Becker vom Post- und Kurierdienst „Heißer Reifen“ hat mit dem Unternehmen seit Gründung im Jahr 1987 mehr als 1,2 Mio. km zurückgelegt und dabei über 197 t CO2 eingespart. „Cargobikes haben das Potenzial, die logistischen Prozesse in der Innenstadt deutlich ökologischer zu gestalten“, meint Becker. (ben)

placeholder placeholder placeholder placeholder placeholder placeholder placeholder placeholder
Deutschlands größte
Suchmaschine für
Transport und Logistik
Spediteur Adressbuch Online
Leistungen
Firmendaten

Schreiben Sie uns Ihren Kommentar!

Kommentar online veröffentlichen
Kommentar nur an die Redaktion senden
Online verfasste Kommentare können auch als Leserbriefe in der Printausgabe der DVZ veröffentlicht werden. Mit dem Absenden des Kommentars stimmt der Nutzer dieser Veröffentlichung ausdrücklich zu.

* Pflichtfeld