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Alle Beteiligten an einem Tisch

Noch ist in deutschen Städten die Verkehrslage nicht so dramatisch wie in asiatischen Metropolen (hier Peking). Um die Verkehrsströme in Ballungsräumen künftig wirtschaftlich rentabel sicherzustellen, ohne die Lebensqualität zu beeinträchtigen, müssen Wirtschaft, Politik und Wissenschaft eng zusammenarbeiten. (Foto: Wenjie Dong, Getty Images)

26. Januar 2017 | von Robert Kümmerlen

300

Städte gibt es derzeit weltweit, in denen mehr als 1 Mio. Menschen leben. Als größte gilt derzeit Tokio mit über 37 Mio. Einwohnern im gesamten Ballungsraum.

Quelle: Demographia

 

388.000

Kilometer Stau gab es im vergangenen Jahr allein in Nordrhein-Westfalen.

Quelle: ADAC

Die größten Hürden

Die Umsetzung von Konzepten für die urbane Versorgung gerät häufig ins Stocken. Die Teilnehmer des von der BVL initiierten Roundtables halten folgende Maßnahmen für sinnvoll, um ein Scheitern zu verhindern:

- Die Vertreter verschiedener Interessen wissen zu wenig voneinander. Abhilfe schaffen könnte eine Art Logistikbeauftragter in der städtischen Verwaltung. Dieser muss kompetent genug sein, beurteilen zu können, welche Konzepte zu einer Stadt passen und welche Behörden und Unternehmen eingebunden werden müssen. Ferner katalysiert er den Dialog zwischen allen Beteiligten.

- Kooperationen gelten als aufwendig. Möglicherweise bietet die Digitalisierung Möglichkeiten, Prozesse zwischen Unternehmen besser aufeinander abzustimmen. Wichtig sind kollaborative Projektinitiativen aller Beteiligten.

- Im Rahmen einer Dialogförderung muss die Wirtschaft in die Verkehrs- und Stadtplanung einbezogen werden.

- Industrie- und Handelsunternehmen brauchen klare Vorgaben. Pilotprojekte müssen sich schneller umsetzen lassen.

- Statt viele unterschiedliche Konzepte vorantreiben zu wollen, müssen die mit den größten Erfolgschancen identifiziert werden.

- Die Konzepte müssen sich für alle Beteiligten betriebswirtschaftlich rechnen.

- Transparenz über die Entscheidungen ist in allen Phasen zu schaffen.

Die Serie Metropolitan Logistic der DVZ stellt Trends und Entwicklungen vor, die künftig die Versorgungskonzepte der Ballungsräume verändern werden. www.metropolitanlogistic.de

Die Bundesvereinigung Logistik (BVL) möchte die Entwicklung innerstädtischer Versorgungskonzepte fördern. Dafür hat sie Ende vergangenen Jahres 24 Entscheider aus Handel, Industrie, Dienstleistung und Wissenschaft sowie Verantwortliche aus Verbänden, Vertreter von Städten, Gemeinden und des Bundesverkehrsministeriums zu einem runden Tisch „Urbane Logistik“ zusammengebracht. Alle Beteiligten befassen sich seit längerem aus unterschiedlichen Blickwinkeln mit dem Themenfeld. Die Sitzung fand beim Fraunhofer-Institut für Materialfluss und Logistik in Dortmund statt, wo seit vielen Jahren unter anderem die Citylogistik ein Forschungsthema ist.

Die Teilnehmer erarbeiteten zunächst ein Vorgehen, wie das Thema auf kommunaler und wirtschaftlicher Ebene anzugehen ist, um die Versorgung von Ballungszentren in Zukunft bei steigenden Transportvolumina und zunehmender Urbanisierung sicherzustellen. Entscheidend dabei ist, umweltverträgliche und von der Bevölkerung akzeptierte Konzepte zu finden. „Wir müssen aus der Perspektive des Kunden nach Lösungen suchen“, formulierte es ein Teilnehmer aus dem Handel. Der Ansatz stieß auf Konsens. Es sei notwendig, die Bedürfnisse der Konsumenten in den Mittelpunkt zu stellen, die Attraktivität von Städten zu steigern und die Lebensqualität nicht zu beeinträchtigen, so der Tenor der Expertenrunde.

Ein vielversprechender Ansatz könnte sein, eine oder mehrere Modellregionen zu definieren, in denen Pilotprojekte gestartet werden, die dann den Nutzen einzelner Konzepte zeigen und nachvollziehbar machen. In einem ersten Schritt könnten der Handel und die Logistikdienstleister sowie Kep-Unternehmen einbezogen werden. In einem weiteren Schritt ließen sich dann auch industrielle Versorgungskonzepte aufnehmen.

Eine Hürde bei der Umsetzung urbaner Versorgungskonzepte ist, dass sich die Beteiligten aus Wirtschaft und Politik nicht ausreichend austauschen. Oft ist nicht klar, wer in den Verwaltungen der Ansprechpartner für die Unternehmen ist, oder Anfragen werden von einer Stelle zur nächsten durchgereicht. Insofern verwundert es nicht, „dass eine zentrale Rolle der Kommune als steuernde Instanz nicht wahrgenommen wird“, formulierte es eine Teilnehmerin. Entsprechend langwierig sind die Abstimmungen, die Wirtschaft nimmt eine geringe Bereitschaft bei den Behörden zur Genehmigung von Pilotprojekten wahr. Dies mag unter anderem daran liegen, dass der Nutzen von Citylogistik-Konzepten aus kommunalpolitischer Sicht nicht offensichtlich ist und daher andere Themen höhere Priorität genießen. Ziel der BVL ist es daher, mit allen Partnern gemeinsam eine Roadmap für die Veränderung und Optimierung urbaner Logistik zu entwickeln.

„Wir brauchen Bürgermeister, die Visionen haben“, sagte Wolfgang Lehmacher, der beim Weltwirtschaftsforum verantwortlich für Supply Chain und Transport ist. Es liege an jedem einzelnen, wie unsere Städte aussehen, alle gemeinsam – Wirtschaftsvertreter, Politiker und Bevölkerung – müssten den Organismus Stadt gestalten. Dabei seien einige grundlegende Fragen zu klären, etwa ob wirklich alle Pakete ausgeliefert werden müssten oder wie viel Individualverkehr gewünscht beziehungsweise notwendig ist.

Immer mehr Menschen bevorzugen es, in Städten zu leben, momentan sind es Lehmacher zufolge 50 Prozent der Weltbevölkerung. 2050 werden es 70 Prozent sein, also 7 Mrd. weltweit. Als Beispiele für Versorgungskonzepte in Metropolen führte Lehmacher an: Konsolidierung am Stadtrand, Nutzung von Wasserwegen, Zustellung vor Arbeitsbeginn oder in Nachtstunden (beispielsweise in Manhattan), Nutzung des U-Bahn-Systems für Gütertransport, innerstädtische Lager für Feinverteilung mit Lastenfahrrädern oder Elektrofahrzeugen, Konsolidierungszentren an Flughäfen für wegeoptimierte Bündelung in die Städte (Heathrow). Ein Mittel zur Steuerung kann die elektronische Citymaut sein. Ein weiterer Ansatz ist, dass sich Personen abstimmen und gemeinsam über elektronische Plattformen ihre Mobilität nach Bedarf organisieren, wie es in Helsinki der Fall ist. Lehmacher sieht den Trend, dass Logistik und Infrastruktur so auch zu einem Teil des Lifestyles werden können.

Die Bandbreite der Themen hinsichtlich urbaner Versorgungskonzepte ist groß. Dabei müssen unterschiedliche Interessen in Einklang gebracht werden. Die BVL wird am 22. März dieses Jahres in Hamburg den Themenkreis „Urbane Logistik“ starten. „Wenn alle Stakeholder der urbanen Logistik aus Wirtschaft, Wissenschaft, Politik und Gesellschaft miteinander reden und an der Realisierung der gleichen Ziele arbeiten, dann kommen wir voran. Lassen Sie uns gemeinsam Lösungen finden“, lautet der Appell von Prof. Raimund Klinkner, Vorstandsvorsitzender der BVL.

„Gemeinsam“ ist wohl bei der Umsetzung urbaner Versorgungskonzepte ein Schlüsselwort. Die Expertenrunde ist sich einig, dass die Kommunikation zwischen den Beteiligten reibungslos funktionieren muss.

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