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Städte brauchen Konzepte

Diskutierten Strategien für die Städteversorgung von morgen (v.l.n.r.): Jens Zeller, Idem Telematics, Thomas Becker, Dako, Francisco Bähr, Four Parx, Werner Gliem, Logistik-Initiative Hamburg, Frank Weber, Jones Lang LaSalle und Robert Kümmerlen (DVZ). (Fotos: Marcus Reichmann)

30. Mai 2017 aktualisiert am 30.05. 16:58h | von Ralf Johanning
Plattform Urbane Mobilität

Am 30. Mai ist in der Hamburger Landesvertretung in Berlin die „Plattform Urbane Mobilität“ vorgestellt worden. Es geht darum, Lösungsansätze für die Gestaltung der urbanen Mobilität der Zukunft zu entwickeln und umzusetzen. Der Plattform gehören die Städte Bremen, Düsseldorf, Hamburg, Hannover, Leipzig, Ludwigsburg und München sowie die Unternehmen Audi, BMW, Continental, Daimler, Porsche, Bosch, Schaeffler und VW Nutzfahrzeuge sowie der Verband der Automobilindustrie (VDA) an. Derzeit werden in verschiedenen Workshops Umsetzungsprojekte entwickelt. Themenfelder seien dabei die Flächennutzung, die Inter- und Multimodalität und die Digitalisierung. VDA-Präsident Matthias Wissmann: „Die Plattform versteht sich deshalb nicht nur als Think-Tank, sondern vor allem auch als Do-Tank.“

Das Leben in den Städten ist für viele Bürger so attraktiv, dass die Metropolen immer weiter wachsen. Gleichzeitig stößt aber die Infrastruktur zusehends an ihre Grenzen. „Ein Auslöser dafür ist beispielsweise die Innenstadtbelieferung. Sie stört den Berufsverkehr, da beides gleichzeitig stattfindet“, sagt Jens Zeller, Geschäftsführer bei Idem Telematics. Er gehörte zu den Teilnehmern beim DVZ-Forum „Metropolitan Logistic“ im Rahmen der Messe transport logistic in München. Ein mangelndes Parkplatzmanagement in vielen Städten ist ein weiterer Faktor für Staus. Die Situation verschlechtert sich zudem durch den stark wachsenden E-Commerce und die damit verbundenen Paketlieferungen. Noch sind es im Jahr 2,8 Mrd. Pakete. In zehn Jahren soll sich die Zahl verdoppelt haben.

Daher sind fortschrittliche Konzepte gefragt. Hamburg geht mit gutem Beispiel voran und beginnt damit, Leuchtturmprojekte umzusetzen. „Unter dem Titel Smart Last Mile Logistics, kurz Smile, haben wir begonnen, die unterschiedlichsten Vorschläge ergebnisoffen zu testen“, sagt Werner Gliem, Geschäftsführer der Logistik-Initiative Hamburg. Dabei unterscheiden die Hanseaten zwischen vier alternativen Ansätzen: dem Zustellprozess, den Zustellpunkten, den Antrieben und den Transportsystemen. Als Beispiel nannte Gliem vorsortierte Container, die der Kep-Dienstleister UPS im Stadtgebiet abstellt, um von dort die Pakete mit dem Lastenfahrrad oder zu Fuß zu verteilen. Auch Kep-Dienstleister Hermes setzt die Lastenräder teilweise ein. Sie starten allerdings von den sogenannten Mikrodepots aus, die von Elektrofahrzeugen beliefert werden.

Lastenräder für Innenstädte geeignet
Insbesondere für Lieferungen in die innersten Zonen der Innenstädte eignen sich ­Lastenräder. Denn hier sind die Transporte in der Regel nicht allzu schwer und können aus den nahegelegenen Depots gut auf die allerletzte Meile geschickt werden. Auf der transport logistic zeigte beispielsweise der Logistikdienstleister Dachser ein elektrisch unterstütztes Lastenrad.

Darüber hinaus wäre es durchaus möglich, die Zeiten für die Be- und Entsorgung weiter zu entzerren. E-Fahrzeuge haben dabei den Vorteil, dass sie leise sind und auch nachts niemanden stören. Dass E-Fahrzeuge die Innenstädte erobern, steht für Gliem fest. Er geht davon aus, dass bereits im kommenden Jahr nur noch E-Fahrzeuge in Hamburg für die Auslieferung zuständig sind. Viele der Kep-Dienste nutzen heute schon elektrische Antriebe. DHL hat sich sogar als Hersteller des Streetscooters etabliert – und auch andere Hersteller sind dabei, besonders im Bereich der Transporter E-Fahrzeuge zu entwickeln.

Flächen für lokale Hubs sind sehr selten
„Viele Städte sind nicht auf die hohen Leistungsverbräuche beim Strom eingestellt, die durch das Aufladen entstehen“, betont jedoch Francisco Bähr, Chef des Logistikimmobilien­entwicklers Four Parx. Zudem seien für lokale Hubs mindestens Flächen von 5.000 Qudratmeter notwendig, um die Infrastruktur für Umschlag und E-Fahrzeuge zu schaffen. In dieser Größe seien in den Städten nur sehr selten Flächen vorhanden. Der Experte hat für Stadtplaner deshalb ein Konzept für Immobilien parat. Four Parx plant mehrgeschossige Häuser, sogenannte Multi-Talent-Gebäude, mit robusten Böden, die im unteren Bereich für Lagerung und logistische Dienstleistungen eingerichtet sind. Die oberen Stockwerke könnten dann vom Gewerbe genutzt werden. Diese Idee fand auch bei Frank Weber von Jones Lang Lasalle viel Anklang. Der Immobilienentwickler stellte aber fest, dass man erst einmal Investoren finden müsse.

Verkehrsentzerrung durch Datennutzung
Ein weiterer Ansatz, um die Citylogistik zu verbessern, ist die Verkehrslenkung. Mit Telematiksystemen und einer intelligenten Datennutzung der Infrastruktur ließe sich der Verkehr entzerren. Auch hier sind erste Ansätze zu erkennen, es fehle jedoch teilweise an einheitlichen Daten. „Es gibt keine Homogenisierung der Daten. Hier ist noch alles sehr fragmentiert“, sagte Thomas Becker, Geschäftsführer des Software-Anbieters Dako. Zudem treffen hier noch die Welten der Verkehrsinfrastruktur und der Telematikdaten aus den Fahrzeugen aufeinander, ohne dass ein intelligenter Algorithmus vorhanden sei. Erst wenn man diese Daten verwenden könne, ließen sich Touren noch viel effizienter planen, bestätigte Zeller.

Auch hier geht Hamburg vielleicht bald neue Wege, denn noch sind die Hanseaten für alle Lösungen offen, um den Verkehrskollaps zu vermeiden. Dass es der Hansestadt ernst ist, zeigt auch die Bewerbung für den ITS-Weltkongress für Intelligente Transportsysteme im Jahr 2021. Die Veranstaltung legt ihren Fokus auf Technik zur Vernetzung von Transportsystemen und Service. Dann kann Hamburg zeigen, wie sich die Metropole die Verkehrslenkung der Zukunft vorstellt.

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