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E-Commerce treibt Logistikkosten

(DVZ-Illustration: Melanie Köhn)

05. Oktober 2015 | von Robert Kümmerlen
Analyse

Von Steffen Wagner, Global Head of Transport bei KPMG

Spielwiese für Start-ups

Der Markt für Konsumgüter-Kontraktlogistik ist stark von Trends und technischen Herausforderungen betroffen. Aufgrund des massiven Wachstums des B2C-E-Commerce-Marktes löst sich die bislang recht trennscharfe Unterscheidung von Herstellern, Händlern und Logistikern auf. Während die Konsumgüterhersteller – unter Umgehung der Handelsstufe – immer stärker in den Direktvertrieb mit Endkunden expandieren, bauen die großen Händler selbst ihre Transportkapazitäten aus, um ihre Multichannel-Strategie auch logistisch abbilden zu können.

Zusätzlich fordern neue Marktteilnehmer aus dem Start-up-Umfeld die etablierten Geschäftsmodelle in der Konsumgüter-Kontraktlogistik heraus. Seit 2010 haben Venture-Capital-Investoren insgesamt rund 15 Mrd. USD in Start-ups aus dem Transport- und Logistikumfeld investiert. Viele davon betreiben IT-basierte Plattformen mit dem Ziel, Ladung und Kapazitäten (zum Teil unter Einbindung privater Zusteller) so zu optimieren, dass sie auch Dienstleistungen wie taggleiche Lieferungen anbieten können – ein Service, der innerhalb der klassischen Netzwerke der Expressdienstleister kaum darzustellen ist.

Das größte Potenzial jedoch sehen viele Marktbeobachter in einer besseren Auswertung und Nutzung vorhandener Kundendaten. So wollen einige Unternehmen am liebsten die Waren schon versenden, bevor der Konsument sie überhaupt bestellt hat. Das ist zwar noch Zukunftsmusik, doch die Auswirkungen auf bestehende Logistikprozesse und Netzwerke sind absehbar. Logistiker müssen ihre Abläufe und Kapazitäten weiter flexibilisieren und stärker an den Bedürfnissen der Endkunden ausrichten. (rok)

Empfehlung

Der Teilmarkt Komsumgüter-Kontraktlogistik wird in diesem Jahr ein moderates Wachstum von 2 Prozent erfahren. Das geht aus der im September veröffentlichten Kurzfristprognose von Fraunhofer SCS hervor. Grund ist eine uneingeschränkt gute Konsumlaune in Deutschland. Dabei ist vor allem der E-Commerce ein Treiber für steigendes Logistikvolumen, stellt Christian Kille fest, Logistikprofessor an der Hochschule Würzburg-Schweinfurt und fachlicher Beirat der Fraunhofer-Arbeitsgruppe SCS in Nürnberg. Große Mengenzuwächse seien in Summe aber nicht zu erwarten.

Die Einschätzung Killes wird von Aussagen der Logistikdienstleister bestätigt. „Wir rechnen mit einem gleichbleibenden Geschäft bis hin zu moderatem Wachstum“, sagt Christian Mahler, Mitglied der Geschäftsleitung Warehousing Solutions Deutschland bei Rhenus. „Der bisherige Jahresverlauf entspricht unseren Erwartungen.“ Zudem rechnet er mit steigenden Kosten. Treiber dafür seien unter anderem verlängerte Fahrtrouten und neue Umschlaghubs in der Lieferkette wie beispielsweise Cross-Dock-Center.

Ebenfalls eine positive Geschäftsentwicklung in der Konsumgüterkontraktlogistik erwartet die WM Group. „Dies liegt zum einen an den positiven Geschäftsaussichten der Bestandskunden sowie auch an einer verbesserten Nachfragesituation“, sagt Günter Artinger, Geschäftsführer der WM Group. „Dabei stellen wir eine größere Variantenvielfalt bei geringeren Losgrößen fest.“ Die Auftraggeber fordern von den Dienstleistern Kostensenkung durch Prozessverbesserung, weil die Konsumgüterindustrie selbst keine höheren Preise am Markt durchsetzen kann, beobachtet Artinger. Dies stelle bei steigenden Tariflöhnen die Logistik vor enorme Herausforderungen. „Die WM Group ist daher gezwungen, die Tarifanpassungen an die Kunden weiterzugeben“, stellt Artinger fest.

Verstärkt Cross-Channel-Ansätze

Handelslogistikexperte Kille beobachtet, dass die Aufwendungen für die logistische Bearbeitung extrem steigen, da einzelne oder wenige Produkte kommissioniert und verpackt werden müssen. „Deshalb ist der Anteil der Logistik für E-Commerce auch nicht dem Anteil des Umsatzes entsprechend“, unterstreicht Kille. Der Anteil der Logistikkosten am Umsatz könne je nach Produkten und Geschäftsmodell fast doppelt so hoch sein.

Logistikdienstleister beobachten verstärkt Cross-Channel-Ansätze. Händler werden dazu getrieben, Bestände transparent im Onlineshop und in der Filiale darzustellen und verschiedene Lieferansätze anzubieten. Hierbei sind Logistikdienstleister stark gefragt. Neue Konzepte dafür sind beispielsweise bei der BLG Logistics Group in der Abwicklung verankert. Im Onlinehandel liegt darüber hinaus ein starker Fokus auf Retouren, auch hier sind innovative Konzepte gefragt. Das kann unter anderem ein höherer Grad an Automatisierung bei der Wiedervereinnahmung der Waren sein.

Cross-Channel-Lösungen bieten in mehrerer Hinsicht Potenzial für eine höhere Produktivität. So wird doppelte Bestandsführung vermieden, die Reaktionszeiten werden kürzer, die Warenverfügbarkeit erhöht sich, und Retouren stehen schneller wieder dem Verkauf oder Versand zur Verfügung. Gerade in Bezug auf Rücksendungen und Wiederaufbereitung von Waren besteht seitens der Auftraggeber Bedarf an effizienten logistischen Konzepten. Darüber hinaus gibt es laut BLG auch Potenzial für neue Services in der Individualisierung von Produkten im letzten Schritt und in der Entlastung der Filiallogistik. Die verkaufsfertige Aufbereitung der Waren können Logistikdienstleister übernehmen. Stationärgeschäfte haben oft aufgrund hoher Mieten in Innenstädten keine großen Lagerflächen.

Schwierige Planung

Durch den Multi- und Cross-Channel-Handel wird die Planung der sehr stark schwankenden Tagesmengen für die Logistikdienstleister immer schwieriger. Hierzu benötige man künftig anspruchsvollere Steuerungssysteme, transparentere Prognosen sowie völlig neue Abrechnungsmodelle mit den Kunden, heißt es seitens BLG.

Sorgen bereiten auch die Fristen der jeweiligen Projekte, „die sich durch immer kürzere Vertragslaufzeiten bei steigenden Anforderungen und wechselnden Märkten charakterisieren lassen“, sagt Christian Mahler von Rhenus. Das verringere die Planbarkeit.

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