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Food-E-Commerce ist in Paris täglich Brot

(Grafik: DVZ)

02. März 2017 | von Ralf Klingsieck

Lebensmittel fristen zwar auch in Frankreich noch ein Nischendasein im E-Commerce. Im europäischen Vergleich nimmt der französische Markt allerdings Platz zwei hinter Großbritannien ein. Nach Angaben der Beratungsfirma Kantar Worldpanel liegt der Anteil des Onlinehandels am Lebensmittelumsatz aktuell bei 5,4 Prozent. Zum Vergleich: In Großbritannien liegt der Wert bei rund 7 Prozent, in Deutschland bei lediglich 1,3 Prozent.

Im Schlussquartal 2016 hätten mehr als 4,5 Mio. und damit 16 Prozent der französischen Haushalte Güter des täglichen Bedarfs über das Internet bestellt, berichtet Kantar Worldpanel. Sie gaben dabei mehr als ein Drittel ihres Budgets aus. Allerdings: Meist holen die Franzosen online bestellte Waren selbst ab. Das sogenannte Click & Collect oder Drive-in-Konzept gilt in dem Land als erfolgreich, vor allem junge Familien nehmen dieses Angebot den Beratern zufolge gern in Anspruch.

Grundsätzlich wächst aber der Wunsch, sich den Einkauf leichter zu machen und sich nicht nur Konserven und Getränke, sondern auch frische Lebensmittel nach Hause liefern zu lassen. Marktexperten zufolge dürfte hier der Zuwachs in den nächsten Jahren deutlich höher sein als bei anderen Konsumgütern. Diesem Trend haben die großen Handelsketten bereits mit eigenen Lieferdiensten Rechnung getragen. „Das ist teuer und die tatsächlich anfallenden Kosten kann man den Kunden nicht in voller Höhe zumuten“, stellt der E-Commerce-Experte und Unternehmensberater Olivier Macard fest. Für diesen defizitären Service werde daher kaum geworben. Der Handel versucht, möglichst viele Kunden eher für den Abholservice zu gewinnen, wenn auch dieser nicht immer kostendeckend sei.

Paris ist das Hauptliefergebiet
„Trotzdem kann keine Handelsmarke auf einen Lieferdienst verzichten, schon allein weil ihn die Konkurrenz anbietet“, sagt Macard. Die Lieferungen beschränken sich jedoch meist auf Paris und ausgewählte Großstädte mit ihrem jeweiligen unmittelbaren Umland. Beim Handelsriesen Auchan zum Beispiel sind das Paris, Marseille und Lille, während Houra, der Lieferservice der Kette Cora, die Pariser Region, Marseille und Umgebung sowie den ganzen Elsaß und Lothringen beliefert.

Ooshop, die Liefertochter des Einzelhändlers Carrefour, hat drei Lagerstandorte, je einen östlich und westlich von Paris, die allein 70 Prozent aller Lieferungen auf sich vereinen und die Pariser Region unter sich aufteilen, und einen dritten in Lyon für die Region Rhône-Alpes einschließlich Grenoble, aber auch Aix und Marseille sowie Nizza und Monaco. Alle großen Handelsketten liefern mit eigenen Kühlfahrzeugen aus, die oft auch über Gefriergutzellen verfügen. Ooshop kommt bereits auf 500.000 Bestellungen pro Jahr. Das Angebot umfasst 9000 Artikelpositionen, wovon 2000 auf die kühlpflichtigen Sortimente Fleisch, Fisch, Obst, Gemüse sowie Molkereiprodukte entfallen sowie 600 auf Tiefkühlprodukte.

Ohne Handelsketten geht nur wenig
Die Idee, mit ganz neuen Unternehmen, die an keine Handelskette angeschlossen sind, in den Lebensmittel-Onlinehandel einzusteigen, hat sich in Frankreich bisher nicht bewährt. Das Geschäft funktioniere nicht ohne die Lagerstandorte und Supermärkte der großen Handelsketten, ist Macard überzeugt. Eine originelle Lösung hat da der reine Internethändler CDiscount gefunden, als er Anfang 2016 auch in den Lebensmittelbereich eingestiegen ist. Er hat sich dafür keine eigenen Lagerbestände angelegt, sondern holt die auf seiner Plattform bestellten Lebensmittel einschließlich frischer und tiefgefrorener Produkte in einem Laden seines Partners, der Handelskette Casino.

Diese verfügt landesweit über 7600 Läden oder Supermärkte, von denen zunächst einmal 900 der Handelsmarke Franprix in den Start des Alimentaire Express genannten Projekts einbezogen wurden. So kann CDiscount eine Hauslieferung in weniger als eineinhalb Stunden und mit einem zuvor fest vereinbarten Zeitfenster zusagen, wobei nicht nur Lieferwagen zum Einsatz kommen, sondern auch Fahrradrikschas. Mit diesem Projekt, das im Versuchsstadium vorläufig nur den Pariser Nobelvorort Neuilly und einzelne Stadtviertel von Lyon, Marseille und Bordeaux abdeckt, ist CDiscount dem lange mit Bangen erwarteten Marktauftritt von Amazon Fresh um einige Monate zuvorgekommen.

Amazon bringt sich in Stellung
Das US-Onlineriese hat im Juni 2016 in Paris versuchsweise die Belieferung von Privathaushalten mit frischen Lebensmitteln innerhalb einer Stunde gestartet. Dafür wurde im Norden der Stadt ein spezielles, 4000 Quadratmeter großes Lagerhaus mit 18.000 verschiedenen Artikeln eingerichtet. Dazu gehören 4000 Lebensmittel und darunter wiederum 40 Obst- und Gemüsesorten, Molkereiprodukte und Gefriergut. In Kürze soll auch Fleisch angeboten werden. Die Zustellung übernehmen Subunternehmen per Motorroller oder Lieferwagen. Je nach Adresse und der Verkehrssituation soll künftig zusätzlich per Fahrrad oder zu Fuß ausgeliefert werden sowie auch in den frühen Morgen- und den späten Abendstunden. Bisher liefert Amazon täglich zwischen 8 und 22 Uhr aus.

Was die weitere Entwicklung betrifft, hält sich der Konzern bedeckt. Vor allem ist noch nicht klar, wann Amazon auch in Frankreich das Amazon Fresh genannte breite Angebot frischer Lebensmittel einführt. Bisher existiert es in Europa nur in Teilen Londons. Dort erhalten Prime-Kunden bei Bestellung bis 13 Uhr eine Lieferung noch am gleichen Nachmittag. (cs)

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