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Google arbeitet an autonomer Lieferkette

Die Idee ist einfach, aber bestechend: Durch die Kombination eines autonom fahrenden, leichten LKW mit den Funktionen einer Packstation könnte ein disruptives Logistikkonzept entstehen. (Foto: Google / US Patent and Trademark Office)

28. Juli 2016 | von Rainer Hennig und Sven Bennühr

So bereitet sich der Internet-Riese Google auf die Revolution der Metropollogistik vor.

Nachgefragt


Wulf-Holger Arndt,
wissenschaftlicher Mitarbeiter am Deutschen Institut für Urbanistik im Bereich Mobilität. (Foto: Privat)

Amazon schafft künstlich Bedarf

Wo wird das Internet im städtischen Verkehr heute sichtbar?

Durch Onlinehandel nehmen die Lieferfrequenzen von Kep-Unternehmen zu. Dadurch sind Lieferfahrzeuge häufiger beziehungsweise mehr Lieferfahrzeuge unterwegs. Das Internet der Dinge wird diese Entwicklung beschleunigen. Andere Sichtbarkeit wäre natürlich auch die Onlinenavigation der Fahrer.

Und wo in Zukunft?

Dieser Trend wird anhalten. Amazon bietet zum Beispiel seit neuestem Lieferungen binnen einer Stunde an! Hier wird künstlich ein Bedarf erzeugt. Das ist volkswirtschaftlich sehr kostspielig. Hier zeigt sich abermals, dass Verkehrsleistungen viel zu billig sind und die gesellschaftlichen Folgen nicht vom Verursacher getragen werden.

Sinkt oder steigt hierdurch Ihrer Meinung nach das Verkehrsaufkommen?

Lieferverkehre werden weiter zunehmen. In gewissem Maße gibt es einen Ausgleich durch weniger private Einkaufsfahrten. Diese werden aber die Zunahme der Lieferfrequenzen durch immer kleinteiligere und kurzfristigere Bestellungen nicht völlig ausgleichen. Das heißt, dass das Verkehrsaufkommen – und vor allem die Leistung – steigen wird. Das Güteraufkommen wird, wie schon seit etwa 2000, hingegen nicht steigen. So sinkt die Transporteffizienz weiter.

(Foto: Google / US Patent and Trademark Office)

Metropolitan Logistic wird unterstützt vom Deutschen Städte- und Gemeindebund (DStGB).

www.dstgb.de

Die Serie Metropolitan Logistic der DVZ stellt Trends und Entwicklungen vor, die künftig die Versorgungskonzepte der Ballungsräume verändern werden.

www.metropolitanlogistic.de

Recherchen zu Logistikthemen beginnen häufig im Internet – und nicht selten mit Unterstützung der Suchmaschine Google. Der Erfolg des US-Konzerns basiert auf der perfekten Verknüpfung von Daten – und dieses Wissen hilft Google auch zunehmend auf einem anderen Feld, das gegenwärtig noch aus vielen Puzzleteilen besteht: dem autonomen Warentransport von A nach B.

Mit dem Konzept eines neuartigen Liefersystems für urbane Regionen macht der Konzern seit einiger Zeit als potenzieller Konkurrent der etablierten Kep-Dienstleister auf sich aufmerksam. Konkret geht es dabei um fahrerlose Transporter, die als mobile Packstationen, also mit mehreren Post- und Paketfächern, durch die Straßen rollen. Der Gedanke dahinter: Das autonom agierende System soll Sendungen sowohl annehmen als auch abgeben können. Dabei kann es seine Route flexibel so organisieren, dass die Päckchen ohne Umwege vom Sender zum Empfänger gelangen.

So interessant sich dieser Ansatz in der Theorie liest, so unwahrscheinlich ist es, dass er kurz- bis mittelfristig über das Konzeptstadium hinauskommt. „Das sind einfach nur Ideen, von denen man hofft, dass sie sich in der Zukunft einmal lohnen könnten“, heißt es etwa im Forum von Heise online zu dem Google-Patent. Die Nachrichtenwebsite für IT und Kommunikationstechnik berichtete als eines der ersten Medien in Deutschland über die Pläne des Internetkonzerns.

Zweifel kommen aber auch gegenüber dem logistischen Mehrwert auf: Online bestellte Ware, die immerhin einen großen Teil der Paketsendungen ausmacht, würde per rollender Paketstation nicht bis ins Haus geliefert: Man müsste sie zu einer vorgegebenen Zeit aus dem Fach des Lieferfahrzeugs abholen. Zudem wäre bei diesem System auch die Abgabe der Sendung beim Nachbarn nicht mehr möglich, argumentieren die Skeptiker der patentierten Lösung.

Mehr als eine Idee

Trotz der Bedenken offenbart der jüngste Logistik-Vorstoß wieder einmal, auf welche Weise Google sein Wissen einsetzt, um operative Logistikdienstleistungen zu bündeln und revolutionäre Ansätze zu entwickeln. Überall dort, wo in der Logistik Daten eine besonders wichtige Rolle spielen, scheint der Konzern gegenwärtig aktiv zu werden. Indizien, dass hinter dem Patent der mobilen Paketboxen mehr steckt als heiße Luft, gibt es einige. In der jüngeren Vergangenheit standen die Pläne des Unternehmens hinsichtlich der Nutzung von Drohnen oder der Gestaltung von autonomen PKW oft genug im Fokus der Medien. Hier spielt auch die finanzielle Leistungsfähigkeit von Google eine Rolle, die – ähnlich wie bei Apple, Facebook oder Amazon – ausreicht, große urbane Veränderungen nicht nur anzustoßen, sondern auch in physische Lösungen umzusetzen. Beispiel Amazon: Der einstige Onlinebuchhändler schickt sich gerade an, ein weltweites Logistiknetz zu knüpfen und damit die Belieferung auf der letzten Meile zu revolutionieren. Sendungen sollen in Städten und Ballungsgebieten innerhalb einer Stunde beim Besteller ankommen.

Aber nicht nur diese Ideen für die nähere Zukunft haben Einfluss auf die Logistik in Metropolen. Bereits heute verändert das Internet die Mobilität innerhalb der Städte, wobei der wesentliche Unterschied zwischen heute und morgen ist, dass derzeit noch Menschen – und nicht autonom agierende Computer – die Lieferfahrzeuge steuern. Allerdings bestimmt auch heute schon eine wahre Datenflut, welche Wege der Fahrer einschlagen muss, um seine Aufgabe effizient zu bewältigen. Neben Echtzeitinformationen zum Verkehrsgeschehen, zu Baustellen und zur Parkplatzsituation kommen dabei auch Algorithmen zur optimalen Streckenwahl zum Einsatz.

Internet bestimmt den Takt

Auch die Auftraggeber der Transportdienstleister leben im Takt der virtuellen Welt. Wird eine Bestellung ausgelöst, sollen die Waren möglichst schnell ihr Ziel erreichen – „Next Day“, „Same Day“ oder sogar „Same Hour“ lauten die Schlagworte. Der Onlinehandel beeinflusst somit die innerstädtischen Transportströme massiv.

Christian Gratzer vom Verkehrsclub Österreich bestätigt, dass zwar der Lieferverkehr in den Ballungsgebieten zunimmt, gleichzeitig aber die im Hintergrund ablaufenden Logistikprozesse einfacher würden. Ob das Verkehrsaufkommen künftig ab- oder zunehmen wird, hänge aber nicht nur von diesen beiden Faktoren ab. Es geht auch um operative Fragen: Werden Pakete beim ersten Versuch abgeliefert? Wie hoch ist das Retourenaufkommen? Wie gut können die Waren auf den einzelnen Touren gebündelt werden? Welche Zeitfenster müssen bedient werden?

Darüber hinaus ist es ebenfalls von großer Bedeutung, inwieweit die Möglichkeit, Waren im Internet zu bestellen, dazu führt, dass der Individualverkehr abnimmt. Um hier eine schlüssige Antwort liefern zu können, hat das Fraunhofer-Institut für Materialfluss und Logistik (IML) die Korrelation zwischen Onlinehandel und Aufkommen des Lieferverkehrs am Beispiel der Stadt Bochum untersucht. Die Studie „Auswirkungen des E-Commerce auf die Verkehrsströme innerstädtischer Einzelhandelsstandorte“, die im Frühjahr 2016 veröffentlicht wurde, kommt zu dem Schluss, dass der boomende Onlinehandel auf jeden Fall zu einem höheren Verkehrsaufkommen führt – unabhängig davon, ob der stationäre Handel mitzieht oder nicht. Ein wichtiger Faktor dabei ist, dass die ältere Generation nach wie vor mit dem PKW zum Einkaufen fahren wird.

Allerdings dürfte sich hier mittelfristig eine Änderung einstellen, da die jüngeren Generationen deutlich internetaffiner agieren und eher bereit sein dürften, den persönlichen Einkaufsbummel durch die Nutzung von Lieferservices zu ersetzen. Vor diesem Hintergrund lassen sich Folgerungen für autonome Lieferketten, an denen auch Google bastelt, ableiten. Die Generation „Online“ ist bereit, solche Modelle und Techniken auszuprobieren – doch dauert es noch, bis deren Einfluss auf das gesamte Konsumverhalten spürbar wird.

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