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Paketdienste im Weihnachtsstress

(DVZ-Illustration: Melanie Köhn)

07. Dezember 2015 | von Erwin Maruhn
Analyse

Steffen Wagner, Global Head of Transport bei KPMG (Foto: privat)

Wenn der Postbote nicht mehr klingelt

Der Markt für Kurier-, Express- und Paketdienste (Kep) zählt aufgrund des stark wachsenden Onlinehandels zu den dynamischsten Bereichen der Logistik. Die schwierigste Aufgabe für die Kep-Dienstleister ist dabei die Zustellung auf der letzten Meile – und das angesichts einer stetig zunehmenden Nachfrage nach individuellen und möglichst schnellen Zustelloptionen wie Same Day Delivery.

Diese Themen stellen die Kep-Dienstleister mit ihren auf große und skalierbare Volumen ausgelegten Netzen und Strukturen vor immer größere Herausforderungen. Die Reaktionen hierauf sind mannigfaltig: von Drohnen über Paketkästen bis hin zu Zustellungen in private Kofferräume. Dabei sind die Kep-Dienste im Rennen um den Onlinekunden nicht allein. Neben Konzernen wie Amazon, Ebay oder Google, die an eigenen Lösungen für die Paketzustellung arbeiten, treten zunehmend auch Start-ups aus dem E-Commerce und Logistikumfeld in den Wettbewerb um die letzte Meile ein.

Allein in den vergangenen fünf Jahren wurden global über 15 Mrd. USD in Logistik-Start-ups investiert. Deren Geschäftsidee beruht meist auf digitalen Plattformen, die Onlinekäufer mit (privaten) Zustellern in Verbindung bringen und so flexible Strukturen für eine schnelle und individuelle Paketzustellung schaffen.

Die Kep-Dienstleister sind gut beraten, sich in diesem Rennen nicht allein auf ihre bestehenden Strukturen und Technologien zu verlassen. Auch wenn sich noch kein Start-up mit vergleichbarer Größe (und Zustellqualität) im Kep-Bereich etabliert hat, droht den angestammten Dienstleistern hier perspektivisch der Verlust ihrer zentralen Kundenschnittstelle.

Geschenke für die Liebsten werden immer mehr vom heimischen Sofa aus bequem per Mausklick im Internet geordert. Das bringt die Paketzusteller ins Schwitzen, besonders zu Weihnachten. Die Paketdienste profitieren im Schlepptau von Versandhändlern wie Amazon, Otto, Zalando und Co. vom boomenden Onlinehandel. Frank Appel, Vorstandschef der Deutschen Post, bezeichnet die Zusteller auf Neudeutsch auch gern als Enabler – also als diejenigen, die den Boom des Onlinehandels erst ermöglichen.

Während der Pakettransport zwischen Geschäftskunden faktisch stagniert, sorgen die für Privatkunden bestimmten Pakete für Dynamik bei den Kurier-, Express- und Paketdiensten (Kep). Das ist auch der Hauptgrund, warum sich die klassischen Business-to-Business-(B2B)-Unternehmen wie DPD, GLS und UPS verstärkt um sogenannte Business-to-Consumer-(B2C-)Aufträge bemühen.

Bei DPD geht inzwischen jede dritte Sendung an private Empfänger. Hatte der mehrheitlich zur französischen La Poste gehörende Paketdienst vor zwei Jahren erst einen B2C-Marktanteil von 6 Prozent, so peilt das Unternehmen jetzt die Marke von 10 Prozent an. Damit liegt DPD nach der Deutschen Post mit ihrer Tochter DHL und Hermes auf Platz drei.

Nach einem voraussichtlichen Plus in diesem Jahr von 3,5 Prozent beim Umsatz und 4 Prozent bei den Sendungen erwartet Branchenbeobachter Christian Kille für den Gesamtmarkt auch 2016 wieder einen Zuwachs. Konkrete Zahlen nennt der Logistikprofessor der Hochschule Würzburg-Schweinfurt jedoch nicht.

Bündelung in der Region

Nach seiner Einschätzung könnte eine Bündelung von Transportmenge für die regionale Verteilung zu einem tendenziell niedrigeren Preis pro Paket führen. So speist Amazon laut Kille die Pakete in einigen Regionen mittlerweile direkt in Last-Mile-Touren ein. Dadurch ergeben sich Einsparungen beim Umschlag und beim Transport, was für Amazon auf einen günstigeren Preis hinausläuft, betont Kille.

Umsatzzuwächse bei den E-Commerce-Händlern führen Kille zufolge nicht automatisch zu einem hohen Wachstum im Paketaufkommen. Er begründet das damit, dass in vielen Fällen zwar mehr Artikel im Warenkorb landen, diese aber als nur eine Sendung verschickt werden.

Aufschlag für Same-Day-Lieferung

Als gering schätzt Kille das Wachstum ein, das sich durch das aufkommende Same-Day-Segment ergibt. Kunden, die sich an der Prime-Same-Day-Aktion von Amazon beteiligen, sind seiner Ansicht nach kaum dazu bereit, bei einem anderen E-Commerce-Händler dafür einen Aufschlag zu entrichten. Der Logistikexperte verweist darauf, dass Endkunden in Deutschland nur bedingt gewillt sind, für logistische Leistungen und Services zu bezahlen. Dieser Umstand treibt die Kep-Dienste immer wieder in eine Diskussion über Preise und Kosten. Damit wird die eigentlich wichtigere Debatte über Leistungen und Services der Paketdienste erschwert.

Mittelfristig rechnet Kille mit zusätzlichen Impulsen für ein Wachstum der Paketmengen. Sobald frische Lebensmittel und andere Güter des täglichen Bedarfs flächendeckend ihren Weg in den E-Commerce gefunden haben, wird deren E-Commerce-Anteil die 2-Prozent-Marke übersteigen. Damit geht ein Mengeneffekt einher, durch den sich weitere Dienstleistungen und Lösungen auf der letzten Meile überhaupt erst lohnen. Der Marktbeobachter denkt dabei etwa an eine Übergabe unabhängig von der Anwesenheit des Empfängers.

Ein zweiter Punkt ist die Idee des automatischen Einkaufszettels, die zu neuen Sendungen führt. Mit dem Dash-Button von Amazon kann der Endkunde bereits seine Verbräuche scannen und einen Einkaufszettel zusammenstellen. Der nächste Schritt ist die automatische oder zumindest manuelle Bestellung, wenn ein Mindestbestand erreicht wird. Derartige Anwendungen könnten auch zu einer neuen Dienstleistung werden: Bündelung von einzeln generierten Bestellungen und Entscheidung, wann diese spätestens gebündelt verschickt werden.

Doch zunächst mal herrscht bei den Paketdiensten vorweihnachtlicher Hochbetrieb. Allein die Deutsche Post stellt 10.000 Aushilfskräfte ein, beim Wettbewerber DPD sind es 4000, bei Hermes 5600. An den Tagen vor Weihnachten steigen die Sendungsmengen um bis zu 50 Prozent gegenüber dem Jahresschnitt an.

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