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Rewe schneidet sich eine dicke Scheibe ab

Speck spielt in der österreichischen Küche eine wichtige Rolle, vor allem in Tirol. Tiroler Speck lässt sich auch online bestellen. (Foto: iStock)

10. April 2017 | von Claudius Semmann und Rainer Hennig

Aktuelle Zahlen über den Online-Lebensmittelhandel in Österreich gibt es kaum. Etwa jeder Zehnte bestelle einigermaßen regelmäßig Lebensmittel online, sagt Experte Martin Unger von Contrast Ernst & Young Management Consulting in Wien. Dieser Wert habe sich in den vergangenen sechs Jahren mehr als verdoppelt. Der Markt sei aber im Vergleich mit Ländern wie Deutschland, Frankreich, den Niederlanden und vor allem Großbritannien noch unterentwickelt.

Großbritannien gilt unter den westlichen Industrienationen als reifster Markt im Onlinehandel mit Gütern des täglichen Bedarfs. Auf 6,9 Prozent taxiert die Beratungsfirma Kantar Worldpanel den Anteil am Lebensmittelumsatz. Zum Vergleich: Für Österreich haben die Berater 0,3 Prozent ermittelt. Dieser Wert kommt Unger zwar etwas zu gering vor, ihm liegen aber auch keine anderen Schätzungen vor.

Testregion ist vor allem Wien. Die Shop-Konzepte der einzelnen Supermarktketten ähneln sich, für ihre Logistikstrategie setzen diese jedoch auf unterschiedliche Partner. Gleich zwei große Lebensmittelhändler haben sich im vergangenen Jahr in der österreichischen Hauptstadt mit ihren Onlineshops neu aufgestellt: der zu Rewe International gehörende Händler Merkur sowie Interspar, eine Tochter der Spar-Handelskette.

Quehenberger liefert für Interspar aus
Für Wien und Umgebung kommissionieren sowohl Merkur als auch Interspar die online bestellte Ware von ganz normalen, stationären Märkten aus. Jeweils zwei Filialen kommen hierbei zum Einsatz. Den Transport der dort zusammengestellten Ware übernehmen dann Logistikdienstleister. Merkur arbeitet mit dem Wiener Botendienst Veloce zusammen. Interspar setzt hingegen auf Quehenberger aus dem Bundesland Salzburg.

An den Wohnungstüren der Endkunden treten diese beiden Partner jedoch nur im Hintergrund auf. Fahrer und Fahrzeug sind bei Interspar wie der Einzelhändler selbst gebrandet. Und auch bei Merkur trägt das Veloce-Lieferpersonal in der Regel das Outfit des Lebensmittelhändlers. Für den Kunden liegen die Unterschiede hinsichtlich der Lieferbedingungen im Detail: Diese können jederzeit bestellen, müssen sich jedoch immer auf ein Lieferzeitfenster von mindestens zwei Stunden festlegen.

Einem Namen hat sich auch die Einzelhandelskette Unimarkt gemacht. Über ihren Lebensmittel-Onlineshop bietet sie im Großraum Linz taggleiche Zustellungen an. Dabei weicht Unimarkt mit seinem Logistikkonzept etwas ab. Denn der wichtigste Dreh- und Angelpunkt bei den Auslieferungen ist dabei keine Supermarkfiliale, sondern ein sehr großes Logistikzentrum der Österreichischen Post in Allhaming. Für Unimarkt fungiert sie als zusätzliche Verteilstelle bis zum Endkunden. Gemeinsam organisieren der Paketdienstleister und der Lebensmittelhändler aber auch bundesweite Bestellungen – diese sind aber dann frühestens einen Tag nach Auftragseingang beim Empfänger.

Erstes Zentrallager für Onlineshop
Der ebenfalls zu Rewe gehörende Vollsortimenter Billa liefert österreichweit. Ende Mai wird in Inzersdorf das erste zentrale Lager für den Billa-Online-Shop im Großraum Wien eröffnet. Bei der Kommissionierung in den Filialen stoße das Unternehmen an Grenzen, hieß es vergangene Woche beim Jahrespressegespräch von Rewe International in Wien. Später sollen dort auch die Merkur-Bestellungen abgewickelt werden.

Ein Beispiel für die Kommissionierung im Geschäft ist die Merkur-Filiale in der Brünner Straße, im 21. Wiener Gemeindebezirk. Dort treffen die Bestellungen aus dem Wiener Norden ein. Wer will, kann den Mitarbeitern direkt bei der Arbeit zusehen. Denn diese laufen durch die gleichen Gänge im Supermarkt, nur die Einkaufswagen sehen etwas anders aus. Sie sind an die Kisten angepasst, die später im Transporter verstaut werden.

Die Mitarbeiter sind mit mobilen Geräten unterwegs. „Für den optimalen Weg gibt es einen Algorithmus, den Merkur speziell für die Filiale in der Brünner Straße entwickelt hat“, erläutert Philipp Heim, Leiter E-Commerce von Merkur. Aber die Geräte führen nicht nur schnellstmöglich durch den Markt, sie gleichen auch den virtuellen Wunsch mit dem realen Produkt aus dem Regal per Scan ab. Stimmt etwas nicht, gibt das Gerät ein Signal.

Zustellung per E-Bike
Beim Versand an die Haushalte testet Billa im Raum Wien seit kurzem die Zustellung per Elektro-Lastenrad. Das vom Start-up Unternehmen Gleam Technologies entwickelte Fahrrad kann bis zu 100 kg Waren transportieren und erreicht bis zu 25 km/h. Frische Lebensmittel verpackt Billa in eigens angefertigte Kühlboxen. Diese werden beim Pilotprojekt per Lastenrad oder herkömmlich durch den eigenen Zusteller mit einem Lieferwagen gebracht.

Der E-Commerce-Umsatz bei Billa legte nach Rewe-Angaben im Vorjahr um 160 Prozent zu, wenn auch das Niveau noch niedrig ist. Gewinne erziele das Unternehmen jedoch noch nicht, räumte Rewe-International-Chef Frank Hensel ein. Es sei aber wichtig, dabei zu sein. Er bezeichnete das Online-Engagement als „Investition in die Zukunft“.

So sieht es auch Strategieberater Unger: „Wer clever ist, wartet mit dem Einstieg in den Onlinemarkt nicht erst bis Amazon Fresh kommt, sondern etabliert sich frühzeitig.“ In Deutschland soll der Frischelieferdienst des US-Onlineriesen noch im April in Berlin an den Start gehen. Unger vermutet, dass Amazon in den nächsten zwei, drei Jahren zumindest den Großraum Wien angehen wird. Hensel geht derzeit nicht davon aus, dass Amazon in Kürze auch in Österreich mit dem Versand von Lebensmitteln starten wird.

Hoher Marktdruck
Für Start-ups ist das Segment schwierig. Ein Unternehmen, das innovativ war, aber dem Marktdruck nicht standhalten konnte, ist Zuper. Kunden konnten über das Internet Produkte verschiedener Supermarktketten bestellen. Hierzu zählten auch bekannte Größen wie der Discounter Hofer oder der Biomarkt Denn’s. Das dreiköpfige Gründerteam wollte das Geschäft von der anderen Seite aufziehen. Zuper hatte keine Filiale, vielmehr war das Start-up ein Logistiker, der einkaufen ging.

Nach etwa eineinhalb Jahren war Schluss. „Mehr und mehr große Handelsketten haben den Onlinemarkt für sich entdeckt und sehr viel Geld investiert“, sagt Mitgründer David Savasci. Diese hätten ein großes Marketing-Budget. Der wirtschaftliche Druck sei letztlich zu groß gewesen. Was für Savasci bleibt, ist das Wissen über die Logistik hinter dem Service. Die größte Herausforderung seien „schlicht und ergreifend die letzten Meter zur Wohnungstür“.

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