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Von München aus Deutschland erobern

Erfolgreiche Feiertage: Amazon meldet ein Rekord-Weihnachtsgeschäft, und der aktuelle „Star Wars“-Blockbuster ist der umsatzstärkste US-Film aller Zeiten. Vom Münchner Westen schwärmen Amazon-Zusteller über die Stadt aus. (Fotos: Corbis, Fotolia; Istockphoto (2), SuperB [M])

07. Januar 2016 | von Sebastian Bollig
zitat

Ich muss dem Management in Luxemburg und Seattle Erfolge zeigen, erst dann starten wir durch.

Bernd Schwenger, Director Amazon Logistics

Empfehlung

Der deutsche Paketmarkt steht vor einem Umbruch. Mit dem US-Onlinehändler Amazon steigt einer der Haupttreiber des Mengenwachstums der vergangenen Jahre selbst ins Geschäft ein. Am 19. Oktober letzten Jahres hatte Amazon in Olching westlich von München ein Paketverteilzentrum in Betrieb genommen. „Am ersten Tag waren es 209 Sendungen“, berichtet Bernd Schwenger, Director Amazon Logistics. 20 Mitarbeiter arbeiteten am Eröffnungstag im Verteilzentrum. Das hat sich mittlerweile geändert: Knapp drei Monate später beschäftigt Amazon bereits 130 Arbeitskräfte – großteils über eine Zeitarbeitsfirma –, die während der Startphase pro Tag mehr als 20 000 Pakete umschlagen. Und dabei hat die Halle ihre letzte Ausbaustufe noch gar nicht erreicht. Gearbeitet wird an sechs Tagen in drei Schichten rund um die Uhr.

Offiziell läuft das Verteilzentrum in Olching bisher als ein Pilotversuch, doch dass Amazon dieses Konzept auf ganz Deutschland ausrollen will, ist ein offenes Geheimnis. „Ich muss dem Management in Luxemburg und Seattle Erfolge zeigen, erst dann starten wir durch“, betont er. Er ist jedoch sehr zuversichtlich.

Ab 7.30 Uhr liefern knapp 240 Fahrzeuge der sechs festen Transportpartner die Sendungen in München aus. Olching ist eine reine Umschlaganlage. Hier werden keine Waren verpackt oder kommissioniert. Die Pakete werden nachts zwischen aus den Amazon-Logistikzentren angeliefert. Für Same-Day-Lieferungen treffen am Nachmittag weitere Pakete in Olching ein, derzeit konzentriert man sich noch auf normale Sendungen. Same Day Delivery mache deshalb weniger als 1 Prozent der Lieferungen aus, erst im ersten Quartal 2016 werde dieser Dienst verstärkt über Amazon Logistics bedient, erläutert der Manager.

„Wir haben auf die Auswahl unserer Transportdienstleister im Sommer viel Zeit verwendet“, sagt Schwenger. Vorgabe ist: Die Partner dürfen keine Subunternehmer einsetzen. Gefunden wurden schließlich sechs regionale Partner: Interkep, Liefery, Rico Logistics, Systemlogistik, Krae Transport und AZ Logistik. „Entscheidend war das Commitment der mittelständischen Dienstleister, in den eigenen Fuhrpark mit fest angestellten Fahrern zu investieren“, betont Schwenger. „Wir wollen die Kundenbeziehung an die erste Stelle setzen, und dafür muss ich wissen, welcher Fahrer welche Tour fährt.“

Kein Kampf um jedes Paket

Jeder Fahrer hat fest zugeteilte Liefergebiete, für die er vier Wochen geschult wird. Zudem gibt Amazon vor, dass die Fahrer einen Stundenlohn erhalten und nicht wie teilweise bei der Konkurrenz üblich nach Paket bezahlt werden. Schwenger gibt zu, dass die Frachtraten ohne diese Bedingungen deutlich niedriger wären – „aber hier habe ich bewusst nicht nach Preis ausgewählt“.

Den Weg der Pakete berechnet die eigene Software. Schwenger schwärmt: „Diese Algorithmen sind unsere Stärke. Nur so können wir unser Kundenversprechen, zum zugesagten Zeitpunkt die Waren zu liefern, einhalten.“ Mit jedem Transportdienstleister wurden die Routen besprochen und Preise berechnet. Dabei wurden Sondereffekte wie der Einsatz von Elektro-Vans oder von 7,5-Tonnern mit Hebebühne für Großkunden berücksichtigt. „Wir hatten mit allen Dienstleistern sehr offene Gespräche, und die Zusammenarbeit klappt gut“, betont Schwenger. Morgens passieren in vier Wellen jeweils 50 bis 60 Fahrzeuge das Verteilzentrum in Olching. Nach 30 Minuten müssen die Fahrzeuge beladen den Hof verlassen. Um die Fahrer besser zu koordinieren, setzt Amazon fünf sogenannte Yard-Manager ein.

XPO Logistics als Partner

Zwischen 22 und 6 Uhr liefern die LKW aus den neun deutschen und den weiteren europäischen Amazon-Logistikzentren die Pakete an. Für diese Linienverkehre hat Schwenger in einer Ausschreibung XPO Logistics als Dienstleister gewonnen. „Mir war wichtig, dass das Unternehmen eigene Assets hat“, hebt er hervor. Dass XPO in Deutschland noch reichlich Potenzial aufweise, dürfte bei den Verhandlungen nicht geschadet haben. „Wir wollen gemeinsam mit XPO in Deutschland wachsen“, meint Schwenger. Im Lauf der nächsten Wochen werden die anderen europäischen Logistikzentren an Olching angebunden.

Amazon Logistics konnte viel ausprobieren und musste einiges lernen. München wurde zunächst in fünf Gebiete mit 21 Clustern von A bis Z und insgesamt 3000 Zonen eingeteilt. In den nächsten Wochen sollen als nächster Ausbauschritt weitere Zonen und Cluster hinzukommen. Doch bereits vor dem offiziellen Start im Oktober wurden Fahrer auf virtuelle Touren geschickt, um die Routingsoftware und die Prozesse zu testen. Dies sprach für ein Pilotprojekt in München, dem Standort des deutschen Amazon-Headquarters. „Unsere eigenen Mitarbeiter durften im Sommer als Testpersonen vorab Pakete über AMZL bestellen und mussten anschließend berichten, ob sie mit Fahrer und Zustellprozess zufrieden waren.“ Automatisch verfolgt die Amazon-Software per GPS-Tracking die Performance jedes Fahrers. Wenn nach vier Wochen Einarbeitung der Fahrer erstmals allein auf seine Tour geschickt wird, wird langsam die Paketmenge erhöht.

Ideale Routen für Elektro-Vans

Die Kunden erkennen nicht, dass Amazon die Pakete liefert. Denn weder auf den Fahrzeugen noch der Kleidung der Fahrer prangt das Amazon-Logo. Schwenger schließt dies zwar für die Zukunft nicht aus, aber: „Wichtiger ist mir, dass wir so schnell wie möglich Elektrofahrzeuge einsetzen.“ Interkep fährt bereits mit vier elektrisch betriebenen Transportern vom Typ Nissan e-NV200 für Amazon Logistics. Die Touren in München haben eine Länge zwischen 70 und 120 km – ideal für die Reichweite eines Elektrofahrzeugs. „Momentan ist der limitierende Faktor die Zahl der Ladestationen“, berichtet Schwenger. Bei der Zustellung in den Abendstunden für die Same-Day-Dienste erhöht ein nahezu lautloses Fahrzeug die Akzeptanz der Anwohner.

Schwenger will durch den Einsatz von E-Transportern zudem die Prozesse verbessern. „Ein Elektrofahrzeug könnte in die Umschlaghalle reinfahren, direkt mit vorbereiteten Boxen beladen werden und sofort losfahren“, führt er aus. Dadurch könnte die Umschlagzeit pro Fahrzeug von 30 auf rund 8 Minuten sinken. Fahrer sollen schließlich Pakete beim Kunden abliefern und ihre Arbeitszeit nicht im Verteilzentrum verbringen.

Basis für das Transportmodell in Deutschland war das bewährte System in Großbritannien. Die Routenplanung und ein innovatives Ordnungssystem für die Pakete im Fahrzeug hat Amazon eigens für Deutschland in Zusammenarbeit mit den sechs Dienstleistern fortentwickelt und deutsche Besonderheiten eingepflegt. „Wir haben die Erfahrung gemacht, dass ein System besser in unserem Sinne funktioniert, wenn wir es von Grund auf selbst aufbauen“, sagt Schwenger. Deshalb habe er sich gegen die Lösung entschieden, die Amazon in Frankreich verfolge. Dort hatte das Unternehmen diesen Herbst den Dienstleister Colis Privé übernommen.

Der von Amazon an die Fahrer ausgegebene Handheld ist „hochintelligent“, wie Schwenger berichtet. Integriert ist ein GPS-gesteuertes Navigationssystem mit hinterlegter Routenlogik, mit Scanner und Kamera. Die Tourensoftware speichert, wenn Empfänger zu bestimmten Uhrzeiten mehrmals nicht erreicht wurden. „Jedoch nutzen wir diese Informationen noch nicht“, merkt Schwenger an. Nur wenn ein Geschäftskunde eine offizielle Schließzeit habe, werde dies bei der Zustellung vorab berücksichtigt. Bei Privatkunden sei vor allem der Fahrer mit seinem Wissen und seinen Erfahrungen wichtig.

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