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Elektrisch zur Apotheke

(DVZ-Illustration: Jan Hansen)

27. Juli 2016 | von Manfred Schulze

Im Projekt Smart City Logistik werden Thüringer Apotheken mit rein elektrisch angetriebenen Lieferwagen versorgt. Das Ergebnis: Grundsätzlich eignen sich E-Fahrzeuge – trotz höherem Planungsaufwand und technischer Mängel.

Zitat

Rund 30 Prozent der Touren bei der Apothekenbelieferung sind kürzer als 115 km. Das entspricht der Normreichweite der E-Fahrzeuge.

Matthias Krause, E-Log Systembetrieb

Empfehlung

Unter dem Namen Smart City Logistik hat ein Konsortium von Unternehmen aus der Thüringer Logistikbranche zusammen mit Hochschulpartnern drei Jahre lang untersucht, wie sich rein elektrisch angetriebene Fahrzeuge sinnvoll – also auch wirtschaftlich – einsetzen lassen. Zudem hat der Telematikanbieter Dako analysiert, wie sich die Reichweitenanzeige genauer über eine Plattform darstellen lässt. Das System hat dazu die Routen und Fahrgewohnheiten sowie äußere Bedingungen analysiert und die tatsächlichen Energieverbräuche und Batteriekapazitäten ermittelt.

Eingesetzt wurden E-Fahrzeuge unter anderem bei einem Pharmagroßhändler, der westlich von Erfurt sein Zentrallager betreibt und von dort aus rund 380 Apotheken im Freistaat und angrenzenden Regionen beliefert – bis zu siebenmal täglich. Für Matthias Krause vom Dienstleister E-Log Systembetrieb, der die Routenplanung des Großhändlers betreut, sind solche Einsatzfälle wie bei der Apothekenbelieferung geradezu prädestiniert für E-Mobilität: leichte Ware, relativ kurze Strecken mit vielen Stopps, Fahrpläne fast wie beim Linienverkehr. „Rund 30 Prozent der Touren sind kürzer als 115 km. Das entspricht der Normreichweite der E-Fahrzeuge“, sagt Krause.

Schnelle Akzeptanz bei Fahrern

Die größte Hürde seien zunächst die Vorbehalte der Fahrer gewesen: Die Angst, auf der Strecke zu bleiben, habe sich aber als unbegründet erwiesen – und schon nach kurzer Zeit seien die Kuriere gern mit den E-Lieferwagen unterwegs gewesen.

Als am besten geeignet erwiesen sich reine Innenstadttouren vom Versandlager nach Erfurt, wobei die Anfahrtstrecke mit 44 km zu Buche schlägt. Anschließend verblieb das Fahrzeug in der Innenstadt für kurze Zustellungen. Als Zubringer kamen zudem herkömmliche Transporter zum Einsatz. Damit kamen tägliche Strecken von 87 km zustande.

Für die notwendige Kühlung der Pharmaprodukte müssen zusätzliche Boxen eingesetzt werden. Zudem sei der zusätzliche Planungsaufwand zu berücksichtigen, erklärt Krause. Zwischenladungen der Fahrzeuge, die sich vor allem in Pausen anbieten, erfordern jedoch eine Installation von leistungsstarken Schnellladestationen.

Zuverlässig – aber ein kühler Kopf

Sowohl bei der Apothekenbelieferung als auch bei den anderen Tests – ein Versorgungsfahrzeug für Tabakautomaten und ein Expresszusteller waren ebenfalls involviert – gab es keinerlei Ausfälle. Allerdings zeigten sich auch die Grenzen der bisher kommerziell verfügbaren Technik – vom höheren Anschaffungspreis ganz abgesehen. Uwe Adler von der Fachhochschule Erfurt, der die Einsatzfälle auswertete, berichtete vor allem von Problemen mit der nicht ausreichenden Fahrzeugheizung an kalten Wintertagen.

„Wenn ein Batteriefahrzeug nach einer eisigen Nacht in Betrieb genommen wird, fährt es zwar los, aber es lässt sich nur sehr langsam und auch nicht ausreichend im Innenraum erwärmen.“ So wurden bei einer Außentemperatur von minus 14 °C nach einer Betriebsstunde im Kopfbereich nur 6 °C gemessen. Dennoch wurden in dieser Zeit durch die 4 kW starke Heizung fast 20 Prozent der Batteriekapazität verbraucht. Dieses Problem sei nur durch den Einbau einer Benzin-Zusatzheizung oder die nächtliche Unterstellung des Fahrzeugs in einer beheizten Halle zu lösen.

Ein weiteres Problem waren die ungenauen Ladezustandsanzeigen. Diese ließen sich aber mit einem eigens entwickelten Routenplanungsprogramm präzisieren. Damit wurde zudem demonstriert, wie stark das Fahrverhalten den Energieverbrauch beeinflusst. Aber auch die Reihenfolge der Entladung in Abhängigkeit von der Zuladung ist hier entscheidend: 450 kg Last machen bei häufigen Stop-and-go-Fahrten mehr als 20 Prozent der Reichweite aus. Schwerere Sendungen sollten also möglichst am Anfang abgeliefert werden. (cs)

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