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MAN rollt E-Trucks an den Start

Von links nach rechts: Joachim Drees, CEO MAN Truck & Bus gab gemeinsam mit dem österreichische Verkehrsminister Jörg Leichtfried, dem österreichischen Bundeskanzler Christian Kern, Josef Glößl, Prof. Helga Kromp-Kolb, der Leiterin des Zentrums für Globalen Wandel und Nachhaltigkeit und Werner Müller vom Council für nachhaltige Logistik (CNL) den Startschuss für die E-Trucks. (Foto: MAN)

23. Februar 2017

Die Anreise hat sich für Christian Kern gelohnt. Sichtlich begeistert ist der österreichische Bundeskanzler von seiner Probefahrt mit einem Elektro-LKW auf dem MAN-Werksgelände in der oberösterreichischen Stadt Steyr. Außer Kern trafen sich dort am vergangenen Montag auch Verkehrsminister Jörg Leichtfried, sowie führende Köpfe der österreichischen Logistik- und Einzelhandelsbranche. Gemeinsam mit dem Nutzfahrzeughersteller besiegelten sie den Praxiseinsatz von rein elektrisch betriebenen Sattelzugmaschinen ab Ende 2017.

„Den ersten E-Truck präsentieren wir heute hier – und Ende des Jahres auf der Straße“, sagte Joachim Drees in Steyr. Mit einem ehrgeizigen Entwicklungsfahrplan will der MAN-Vorstandsvorsitzender bis Anfang 2021 die Serienfertigung von Elektro-LKW schrittweise umsetzen.

Einsatzreife Technik
Technisch ist das jetzt vorgestellte Fahrzeug schon so weit, dass sich die wichtigsten österreichischen Firmen aus Handel, Logistik und Produktion auf einen kommerziellen Praxistest einlassen. Der LKW, mit dem Kanzler Kern seine Runden drehte, hat Strom für rund 100 km, leistet 320 PS (245 KW) und hat ein Drehmoment von 2700 Nm. Die Sattelzugmaschinen, die sich zum Ende des Jahres erstmals im mittleren und schweren Verteilerverkehr von 12 bis 26 t beweisen müssen, sollen ein Drehmoment von 3400 Nm haben, hieß es in Steyr. Mit Blick in die Zukunft verspricht Drees zudem: „Je nach Beladung werden E-Trucks leise und sauber bis zu 200 km abspulen.“ Außer der Transportleistung sind für den professionellen Logistikeinsatz aber noch weitere Parameter entscheidend. So braucht es etwa auch kurze Ladezeiten für die Batterie. Die schnellste Lösung benötigt etwa eine Stunde für die Komplettladung, heißt es hierzu von Herstellerseite.

Worüber MAN in Steyr noch nicht reden möchte, das sind mögliche Kaufpreise der E-LKW. Die für die geplante Testphase zum Einsatz kommenden Fahrzeuge würden ausschließlich vermietet, heißt es. Erst zu einem späteren Zeitpunkt will die VW-Lastwagentochter schrittweise von den Kosten runterkommen. Frühestens Ende 2018, mit dem geplanten Start der ersten Kleinserie von 250 Fahrzeugen und spätestens 2021, wenn im Idealfall vierstellige Stückzahlen vom Band laufen sei dies ein Thema. Anfallende Kosten verbucht MAN bis dahin als Investition in die Zukunft.

Dass die E-Trucks nun zuerst auf österreichischen Straßen unterwegs sein werden, ist dabei alles andere als ein Zufall. Ein wesentlicher Grund ist das MAN-Werk in Steyr, wo die Stromer dann vom Band laufen und für das es einen Gesamtinvestitionsplan von 100 Mio. EUR gibt. Vorteilhaft ist zu dem der Schulterschluss unter potentiellen LKW-Kunden: Im Council für nachhaltige Logistik (CNL) arbeiten logistikaffine Wettbewerber zusammen – nicht gegeneinander.  Zudem gibt es eine wissenschaftliche Begleitung durch die Universität für Bodenkultur Wien. Im Mittelpunkt steht die umweltfreundliche Logistik.

Praktiker sind interessiert
Zu den neun CNL-Partnern, die als erstes die Erprobungsfahrzeuge erhalten, gehören etwa auch die Logistiker Gebrüder Weiss, Quehenberger und Schachinger. Aber auch Handelsketten, wie Metro, Hofer oder Rewe sind von Beginn an dabei. So freut sich etwa Frank Hensel, Vorstandsvorsitzender der Rewe International, auf den Praxistest und sieht auch keine Probleme mit der Reichweite. Sein Unternehmen will die Fahrzeuge in Wien und Umgebung zur Stadtversorgung einsetzen. „Dort haben wir in etwa die Hälfte der Touren bei denen wir mit diesem Limit problemlos hinkommen“, sagte Hensel am Montag in Steyr.

MAN findet in Österreich Gehör bei der Politik. Dafür steht der Besuch von Bundeskanzler Kern und Verkehrsminister Leichtfried in Steyr. Bei dem aktuellen Vorhaben sind auch öffentliche Fördergelder im Spiel. Um welche Summe es dabei konkret geht und wie diese genau verteilt werden, war am Montag nicht zu erfahren. Es hieß lediglich, dass etwas mehr als ein Drittel von den insgesamt 10 Mio. EUR veranschlagten Kosten als Fördersumme im Gespräch sei.

Vor Ort in Steyr ist beiden Spitzenpolitikern deutlich anzumerken, dass sie viel Hoffnung in Projekte wie diese stecken. „Die Elektrifizierung des Güterverkehrs ist unabdingbar für den umweltfreundlichen Verkehr der Zukunft“, bemerkt Verkehrsminister Leichtfried. Er hebt insbesondere die Relevanz der Antriebssysteme von Fahrzeugen hervor. Kanzler Kern nennt Studienergebnisse des staatlichen Klimafonds: Demnach könne E-Mobilität zusätzliche Wertschöpfung von bis zu 3 Mrd. EUR und über 30 000 Jobs in Österreich schaffen. Entscheidend sei für Kern die Zusammenarbeit von Wirtschaft, Politik und Wissenschaft: „Dieses Projekt ist genau das, wovon wir ganz viele zusätzliche brauchen.“

Die österreichische Politik investiert an dieser Stelle wohl auch, um anderswo gesetzte Ziele im Blick zu behalten. So ist etwa im Projekt „Smart Urban Logistics“ bis 2030 die Erreichung einer im wesentlichen CO2­-freien Stadtlogistik in größeren, städtischen Zentren vorgesehen.

Die E-Trucks von MAN, mit der Serienfertigung ab 2021, fügen sich gut in diesen längerfristigen Zeitplan Österreichs ein. Hinsichtlich einem anderen Wunsch, kann es Politiker Kern allerdings nicht schnell genug gehen: Mit Blick auf seinen Dienstwagen würde er gerne heute schon auf einen E-Truck umsteigen – die Laufruhe sei bei der Probefahrt „beeindruckend“ gewesen. Das einzige Problem, das der Bundeskanzler sieht: Er bräuchte bei sich zu Hause im siebten Wiener Bezirk einen Parkplatz für den LKW. (ben)

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