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Öko-Joker E-LKW

Prof. Boris Zimmermann, Markus Bappert, Geschäftsführer Meyer Logistik, und Prof. Wolfgang Geuer (v.l.) blicken in den Moterraum: Der E-LKW ist im Rahmen des Forschungsprojekts für die Spedition Meyer Logistik im Einsatz. (Foto: Hochschule Fulda)

24. August 2016

Die Luft in den Innenstädten könnte schon bald sauberer werden, obwohl der LKW-Verkehr zunimmt. Wissenschaftler der Hochschule Fulda untersuchen in einem Forschungsprojekt mit vier Praxispartnern bundesweit erstmalig, unter welchen Rahmenbedingungen der Einsatz von E-LKW mit einem Gesamtgewicht bis zu 18 t für Speditionen wirtschaftlich ist. Hintergrund ist, dass E-LKW erst dann einen Beitrag zur Luftreinhaltung leisten können, wenn sich ihr Einsatz im Vergleich zu den konventionellen Fahrzeugen für die Transportunternehmen rechnet – Ökologie und Ökonomie müssen weitgehend im Einklang sein. Als Praxispartner sind die Logistikdienstleister Meyer Logistik, Zufall, DB Schenker sowie die Fuldaer Spedition Heidelmann mit an Bord.

„E-LKW stoßen etwa 25 Prozent weniger CO2 aus, keine Stickoxide, keinen Feinstaub und verursachen zudem deutlich weniger Lärm. Doch bislang gibt es keine praxisgerechte Kalkulationsbasis für den Einsatz von schweren E-LKW ", erläutert Logistikexperte Prof. Boris Zimmermann, der das Forschungsprojekt an der Hochschule Fulda leitet. Ebenso fehle es an Ansätzen, wie sich die Batterien in diesen Fahrzeugen verwerten lassen. Über 24 Monate hinweg sollen daher die Potenziale der E-LKW in Praxisversuchen getestet und verschiedene Parameter so optimiert werden, dass sich die Wirtschaftlichkeit der Fahrzeuge kontinuierlich verbessert.

„Wir wollen zeigen, dass durch technische Optimierung sowie durch Verbesserung des Fahrverhaltens und der Tourenplanung die Wirtschaftlichkeit des E-LKW gegeben ist", erläutert Zimmermann das Ziel des Projekts. Ende 2018 sollen die Projektergebnisse vorlegen. Dann werden Speditionen mit Hilfe eines in der Studie entwickelten Kalkulationsschemas - auch ohne Praxistest - grob berechnen können, ob es Potenzial für einen E-LKW in ihrem Fuhrpark gibt.

Das vom Hessischen Ministerium für Wirtschaft, Energie, Verkehr und Landesentwicklung mit fast 300 000 EUR geförderte Forschungsprojekt betrachtet Wirtschaftlichkeit und technische Effizienz in enger Abhängigkeit. „Beides beeinflusst sich gegenseitig", sagt Zimmermann. Deshalb arbeitet er mit Experten aus dem Fachbereich Elektrotechnik und Informationstechnik zusammen.

Gemeinsam will das Forscherteam herausfinden, wie genau Tourenplanungen und Dispositionen angepasst werden müssen und wie ein optimiertes Fahrerprofil aussehen kann - vom Fahrverhalten bis hin zur Häufigkeit und Geschwindigkeit der Ladevorgänge. Auch auf die Fragen, wie sich Wartung und Pflege der Fahrzeuge verändern müssen und wie die Ladeinfrastruktur auszubauen ist, wollen die Wissenschaftler Antworten finden.

Mit Blick auf die technische Optimierung gilt es zu erforschen, inwieweit Kostenvorteile durch eine längere Batterielebensdauer möglich sind. Dazu will das Forscherteam untersuchen, wie sehr sich die Lebensdauer der Batterien durch Modifikation des Antriebs erhöhen lässt, und ob die daraus entstehenden Kostenvorteile groß genug sind, um die technischen Mehraufwendungen zu kompensieren. Zudem gilt es herauszufinden, wie viele Kosten der Einsatz von ausgemusterten Batterien in sogenannten Second-Life-Anwendungen spart. Denn Batterien haben einen erheblichen Restwert, auch wenn sie nicht mehr für Antriebszwecke verwendbar sind. So sollen ausrangierte Batterien von E-LKW als Speicher für Strom aus erneuerbaren Energien getestet werden.

„Wir wollen eine präzise Aussage für alle Logistikunternehmen im Markt treffen und analysieren, welche weiteren Untersuchungen und Entwicklungen unter Umständen notwendig sind", skizziert Zimmermann den Anspruch. Dabei arbeiten die Forscher so praxisnah wie möglich. „Wenn alle Ergebnisse vorliegen, werden wir mit den Praxispartnern Wege diskutieren, den im Projekt eingesetzten E-LKW tatsächlich zu übernehmen oder besprechen, ob eigene Fahrzeuge angeschafft werden sollen", so der Forscher.

In Hessen sind im Verteil- und Stückgutverkehr rund 3000 LKW mit bis zu 18 t Gesamtgewicht eingesetzt. Würden die Studienergebnisse dazu führen, dass alle hessischen Stückgutunternehmen 5 bis 20 Prozent ihrer Fahrzeuge durch E-LKW ersetzen, könnten damit die CO2-Emissionen in Hessen im Straßengüterverkehr um 0,1 bis 0,5 Prozent gesenkt werden. (dpa/ben)

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