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Amazon Fresh startet in Großbritannien

(Foto: 360° Editorial)

13. Juni 2016 | von Claudia Wanner

Amazon tritt mit seinem Frische-Lieferdienst an, den umkämpften britischen Lebensmittelmarkt weiter aufzumischen - zunächst im Norden und Osten von London.

Die Zahl

6,99 GBP

pro Monat müssen die Londoner Amazon-Prime-Kunden für den Frische-Lieferdienst zahlen.

Quelle: Amazon

Amazon tritt mit seinem Lieferdienst Amazon Fresh an, den umkämpften britischen Lebensmittelmarkt weiter aufzumischen. Der US-Onlinehändler beliefert seit Donnerstag eine Auswahl von Postleitzahlbezirken im Norden und Osten von London – zwischen Chinatown, Hackney und Tower Hamlets – mit frischen Eiern, Gemüse, Fleisch und vielem mehr. Insgesamt 130.000 Produkte stehen zur Auswahl. Gegen einen Aufpreis von 6,99 GBP (rund 9 EUR) im Monat können sich Amazon-Prime-Kunden beliefern lassen. Bei einer Bestellung bis 13 Uhr ist der Erhalt noch am selben Tag bis 23 Uhr möglich. Dabei können die Käufer selbst Zeitfenster von einer Stunde für die Lieferung wählen. "Jetzt für die Logistik News anmelden"

Damit wagt der Onlinehändler im Lebensmittelverkauf erstmals den Sprung über die US-Landesgrenze. Seit 2007 hat Amazon die Lieferung von frischen Nahrungsmitteln in einer Reihe von US-Metropolen ausgebaut. Mit Großbritannien hat sich der Konzern einen der umkämpftesten Märkte mit einer hohen Affinität zu Online-Shopping ausgesucht. Etablierte Anbieter wie Tesco, Sainsbury‘s, Asda und Morrisons stehen auf der Insel bereits mächtig unter Druck. Unter anderem machen ihnen die deutschen Discounter Aldi und Lidl mit ihren agressiven Preisstrategien das Leben schwer. Zusätzlich leiden die Margen durch die Online- und Lieferangebote, da diese Dienste bisher nur selten kostendeckend arbeiten.

"Im Lebensmittelhandel in Großbritannien liegt die Latte besonders hoch. Die Supermärkte und Einzelhändler gehören zu den besten der Welt. Wir werden sehr systematisch und wohlüberlegt dabei vorgehen, dieses Angebot im Land auszubauen", sagt Amazon-Fresh-Manager Ajay Kavan. Entscheidend sei eine Kombination niedriger Preise mit einem umfangreichen Angebot und rascher Auslieferung. Amazons erklärtes Ziel ist es, bei einer Auswahl von Produkten die Konkurrenz im Preis leicht zu unterbieten.

Für die Auslieferung setzt der US-Konzern auf sein bereits vorhandenes Netzwerk von rund 90 unabhängigen Fahrern in der Hauptstadt. Zuständig für die Lebensmittellieferungen ist ein Depot in Bow im Osten Londons. Dort werden die Waren in Papiertüten verpackt und in Kühlboxen auf dem Transport frisch gehalten. Außer einer Vielzahl von Markenprodukten, von Coca-Cola über Kellogg‘s bis zu britischen Spezialitäten wie Keksen von Walkers und Milchprodukten von Yeo Valley, bietet Amazon auch White-Label-Produkte der Supermarktkette Morrisons an. Sie hat mit dem US-Konzern vor wenigen Wochen einen Deal abgeschlossen, obwohl sie bereits mit dem britischen Online-Lebensmitteldienst Ocado kooperiert. Zusätzlich hat Amazon Spezialitäten kleiner Londoner Anbieter wie Bäckereien oder Feinkostgeschäften im Programm.

Mit Doug Gurr hat Amazon in Großbritannien erst kürzlich einen Lebensmittelexperten mit Management-Erfahrung bei der Walmart-Tochter Asda ausgeguckt, um die britische Sparte zu führen. Gurr hat bereits in den vergangenen Monaten mit dem Ausbau begonnen: Seit September konnten Kunden in einigen Großstädten Tiefkühlkost bestellen. Haltbare Grundnahrungsmittel wie Nudeln oder Müsli waren schon länger im Angebot.

Amazon-Kunden bezahlen 79 GBP jährlich für den Prime-Service, der außer schneller Lieferung beispielsweise auch Zugriff auf Streaming-Dienste umfasst. Die Kosten für den Frische-Lieferdienst sind zusätzlich monatlich zu zahlen, dann sind Bestellungen über 40 GBP frei. In den USA zahlen Kunden für eine Prime/Fresh-Mitgliedschaft 299 USD (263 EUR) pro Jahr. Laut Branchenbeobachtern ist der Service das nur wenigen US-Kunden wert, die Expansion läuft entsprechend schleppend.

Auf der Insel sehen die Preisstrategien einiger Wettbewerber ähnlich aus wie Amazons. Es geht aber auch günstiger: Kunden des Loyalty-Programms von Tesco zahlen 30 GBP im Jahr für den Lieferdienst. Waitrose, die Supermarkttochter des Einzelhändlers John Lewis, bietet Lieferungen nur ab Bestellungen über 60 GBP – dann jedoch kostenlos. Allerdings liegt Amazon bei der Geschwindigkeit vorn. "Jetzt für die Logistik News anmelden"

Für die Anbieter genügen die Lieferaufschläge dennoch kaum, um kostendeckend zu arbeiten. Die tatsächlichen Kosten einer Lieferung schätzen Experten auf 10 bis 12 GBP – so viel verlangt keiner der Anbieter. Ocado – vor über 15 Jahren als ausschließlich online arbeitender Lebensmittelhändler gegründet – brauchte über ein Jahrzehnt, um den ersten kleinen Gewinn einzufahren. Geholfen hat dabei nicht zuletzt ein Vertrag, die Online-Lieferungen von Morrisons mit zu übernehmen. Hinzu kommt ein erbitterter Preiskampf. Im Schnitt sind die Preise für Lebensmittel in den vergangenen zwei Jahren um 4 Prozent gesunken.

Dem britischen Online-Lebensmittelmarkt sagen die Branchenexperten von IGD bis 2020 eine Verdoppelung auf 17,2 Mrd. GBP voraus. Heute liegt der Anteil bei rund 6 Prozent – selbst in ländlichen Regionen ist der Dienst verbreitet. Zum Vergleich: In den USA beträgt der Marktanteil gerade einmal 1 Prozent, in Deutschland ist er noch geringer. Hierzulande wurden 2015 Lebensmittel im Wert von lediglich 736 Mio. EUR online verkauft. Allerdings waren dies 19 Prozent mehr als im Jahr zuvor. Im ersten Quartal 2016 lag das Wachstum bei 23 Prozent. Handelsexperten rechnen noch in diesem Jahr mit dem Start von Amazon Fresh in Deutschland. (cs)

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