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Amazon liefert Lebensmittel

Unterwegs im New Yorker Stadtteil Greenwich Village: Der Onlinehändler hat angekündigt, mit Amazon Fresh auch in Europa und allen voran in Deutschland an den Start gehen zu wollen. Wann das geschehen soll, ist aber noch unklar. (Foto: ddp Images)

19. Oktober 2015

Eine Branche zeigte sich bislang weitgehend resistent gegen die Konkurrenz aus dem Internet: der Lebensmittelhandel. Das liegt laut einer Untersuchung des ECC Köln vor allem daran, dass Konsumenten mit dem stationären Lebensmittelhandel zufrieden sind. Zumal einer Schätzung zufolge 3,5 Lebensmittelläden in einem Zehn-Minuten-Radius eines jeden deutschen Haushalts liegen. Außerdem seien die Befragten der Meinung, dass die Lieferkosten gesenkt werden müssten.

Jetzt will der Internetriese Amazon offensichtlich den Online-Lebensmittelmarkt aufmischen und Supermarktketten wie Edeka oder Rewe verstärkt Konkurrenz machen. Der US-Konzern startet in Deutschland den Lebensmittel-Lieferservice Pantry. Kunden des Amazon-Abo-Services Prime können sich damit haltbare Lebensmittel, Waschmittel, Pflegeprodukte oder Tiernahrung in haushaltsüblichen Mengen nach Hause liefern lassen. Und Experten erwarten schon seit einiger Zeit den Einstieg von Amazon Fresh auf dem deutschen Markt.

Der Online-Anteil im Lebensmittelhandel liegt nach einer aktuellen Studie der Gesellschaft für Konsumforschung (GfK) in Deutschland gerade einmal bei 1,2 Prozent. Das sind aber immerhin rund 2,6 Mrd. EUR für Lebensmitteleinkäufe im Internet. Und nach einer Prognose der GfK dürften Lebensmittel und Drogeriewaren in Zukunft zu den stärksten Wachstumstreibern im Onlinehandel gehören. Die GfK rechnet damit, dass sich der Online-Gesamtumsatz bis 2025 von derzeit 8 auf 16 Prozent verdoppeln wird.

Rewe hat Vorsprung

Amazon ist mit dem Angebot eher ein Nachzügler. Rewe bietet heute schon in 72 Städten Deutschlands die Möglichkeit, Ware online zu bestellen und an die Tür geliefert zu bekommen – und offeriert dabei im Gegensatz zu Amazon nicht nur haltbare Produkte, sondern auch frisches Fleisch, Obst und Gemüse oder Tiefkühlpizza. Konkurrent Edeka geht das Thema zwar etwas vorsichtiger an. Doch dafür ist die Deutsche Post DHL mit ihrem Online-Supermarkt Allyouneedfresh.de umso aktiver. Die Drogeriemarktkette DM verkauft ihre gesamte Produktpalette im Internet. Und auch viele Newcomer wie Lebensmittel.de oder Emmas Enkel versuchen, sich Marktanteile zu sichern.

Rundumversorgung angestrebt

Dennoch blickt die Branche mit großer Aufmerksamkeit auf den US-Giganten. Denn alle wissen, wenn der Online-Riese mit seinen Datenschätzen über die Kundenvorlieben, seinem Logistik-Know-how, dem angesammelten Kundenvertrauen und seiner Marktmacht auf den Plan tritt, kann dies die Spielregeln drastisch verändern. Christian Kille, Professor für Handelslogistik an der Hochschule Würzburg-Schweinfurt, sieht in dem Schritt von Amazon erst den Anfang. „Erst wenn der Kunde alle seine Lebensmittel über einen Lieferservice erhält, wird es interessant. Denn sonst muss der Endkunde trotzdem noch einkaufen gehen, und dann fehlt der Mehrwert“, lautet Killes Einschätzung.

Amazon ist einerseits ein furchterregender Konkurrent für viele Wettbewerber. Andererseits kann der Riese aber vielleicht auch dem Onlinehandel mit Lebensmitteln insgesamt zu größerer Beliebtheit verhelfen. Das neue Angebot Amazon Pantry passt nach Einschätzung von Kai Hudetz, Geschäftsführer des Kölner Instituts für Handelsforschung (IFH), in die Gesamtstrategie des US-Konzerns. „Amazon entwickelt sich immer mehr zum Rundumversorger für alles, was notwendig ist, aber keine großen Emotionen beim Einkauf weckt“, sagt er. Gerade bei lästigen Alltagsprodukten wie Sprudelkisten, Katzenstreu oder Waschmittel könne das Unternehmen „mit seiner Logistikkompetenz und seiner Serviceorientierung den etablierten Handelsketten Marktanteile abnehmen“. Der Internetriese selbst schweigt zu seinen Zukunftsplänen im Lebensmittelhandel.

Mehrwert beschert Kundenzuwachs

„Lebensmittelhändler, die es schaffen, für Onlineshopper tatsächlich einen Mehrwert in Sachen Bequemlichkeit und Zeitersparnis zu liefern, haben gute Chancen, sich als Pioniere am Markt zu etablieren und für ihre Leistungen entsprechende Preise – inklusive Aufschlägen für die Lieferung – zu realisieren“, sagt Sabrina Mertens, Leiterin des ECC Köln, das kürzlich die „ECC-Club-Studie zum Online-Lebensmittelhandel 2015“ veröffentlicht hat. Mertens rechnet eher mit guten Erfolgsaussichten der stationären Lebensmittelketten, die auf ihrer vorhandenen Beschaffungs- und Sortimentskompetenz aufbauen können. (dpa/njo/rok)

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