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Frisch geliefert

(Foto: Fotolia)

11. Dezember 2014 | von Claudius Semmann

Die zunehmend ältere Bevölkerung kann zwar noch, will aber nicht mehr. So gibt es enorme Veränderungen in den vergangenen Jahren beim Konsumentenverhalten, und zwar hin zu Convenience - auf Deutsch: Bequemlichkeit - und damit Frische oder sogar Ultrafrische. Im Frischesegment sind heute Artikel von 28 bis 40 Tagen Restlaufzeit ab Produktion gang und gäbe. Ultrafrisch ist ein Produkt im Temperaturbereich von 2 bis 7 °C und mit einer Restlaufzeit von weniger als zwölf Tagen ab Produktion. Diese Warengruppe gehört mit zu den chancen reichsten im Lebensmittelhandel. Außer dem grünen Leitsortiment (Obst und Gemüse) zählen Produkte wie geputztes Gemüse, Kräuter, zubereitetes Obst, Fertigsalate, Sushi, Joghurt, Käse, Wurst, frische Pizza und Pasta, Säfte und Smoothies, Soßen und Suppen sowie Sand wiches zu dem Warensegment.

Die Logistik für diese küchenfertigen Produkte ist komplex und teuer. Allein bei Frischeprodukten entfallen Experten zufolge mindestens 50 Prozent des Produktwerts auf die Supply Chain, also auf Kosten zum Beispiel für Verpackung, Umschlag, Kühlung und Transport. Bereits kleine Temperaturabweichungen können den Verderb deutlich beschleunigen. Eine Stunde Unterbrechung der Kühlkette kann bereits den Verlust von einem Tag Haltbarkeit bedeuten. Übergabestellen, Schwankungen in Transportfahrzeugen durch zum Beispiel Sonnen einstrahlung oder die Einlagerung von Waren mit höheren Temperaturen bei Mischtransporten sind typische Schwachstellen.

Dennoch: Die Kühlspezialisten unter den Logistikern verfügen über hochwertiges Equipment, mit dem sie die Kühlkette lückenlos wahren können. Alle Fahrzeuge werden permanent elektronisch überwacht. Alarmsysteme sorgen dafür, dass kleinste Temperaturabweichungen sofort bemerkt werden. Zudem wird die Ware mitunter kälter gelagert oder transportiert als nötig, falls es doch einmal zu kurzen Unterbrechungen kommt. Sie haben isolierte Rampen und fertigen zügig ab. Automatische Be- und Entladesysteme sind hier ein probates Mittel. Bei den Kühlanlagen für die Fahrzeuge achten die Dienstleister schon beim Kauf auf ein weitläufiges Servicenetz. Zudem gibt es einen Wartungsplan, der Ausfällen vorbeugen soll.

Trend zu Multitemperaturlogistik

Da aber immer mehr Produkte gekühlt werden müssen und dies auch noch bei unterschied lichen Temperaturen, ist vermehrt eine Multitemperaturlogistik aus Gründen der Effizienz Pflicht. Dies ist dem Trend geschuldet, dass immer mehr Einzelhändler möglichst viele Produkte aus einer Hand erhalten wollen - und dies bei möglichst häufiger Anlieferung.

Darauf hat zum Beispiel Edeka reagiert. Die Regionalgesellschaft Minden-Hannover kann mittlerweile in fünf Temperaturzonen ausliefern: minus 18 °C, plus 4 °C, plus 10 °C und ungekühlt sowie plus 2 °C durch passive Kühlung mit Hilfe von Isotainern. Mit dem Convenience- Spezialisten Lekkerland erhielt im vergangenen Jahr sogar ein Unternehmen den Deutschen Logistik-Preis für sein Multitemperaturprojekt. 2012 hatte der Großhändler umgestellt von Mehr-Stopp- auf Ein-Stopp-Belieferung mit Sortimenten verschiedener Temperaturbereiche. Die Spezialität des Großhändlers ist es, eine Vielzahl von Belieferungspunkten - rund 103.000 in Europa - mit kleinen Mengen zu versorgen. Früher gab es drei separate Anlieferungen. Die Mehrkammerfahrzeuge heute verfügen über drei Temperaturzonen: ungekühlt (über 7 °C), Frischeprodukte (0 bis 7 °C) und Tiefkühlartikel (unter minus 18 °C). Die Wände und Türen sind flexibel quer beziehungsweise längs verschiebbar. Das Ergebnis: Lekkerland hat im Jahr 3,4 Mio. km eingespart. In Deutschland fährt Lekkerland 10 Prozent weniger Kilometer im Verhältnis zur Liefermenge. Das entspricht rund 2000 t CO2 pro Jahr. Im Einsatz sind circa 700 eigene Fahrzeuge (rund 180 in Deutschland) bei 24 Lagerstandorten. Lekkerland hat die Fahrzeugaufbauten selbst entwickelt. Die Investi tionssumme für das Projekt belief sich 2012 auf 28 Mio. EUR. Es gibt eine automatische Alarmfunktion zur Qualitätssicherung. Zudem verfügt Lekkerland über eine internetbasierte Temperaturverfolgung. Bis Ende 2014 soll das Konzept in allen europäischen Landesgesellschaften abgeschlossen sein. Eine Ausweitung auf vier Temperaturzonen ist noch möglich.

Des Themas Mengenbündelung hat sich auch die Rewe Group angenommen. Die Handelskette organisiert ihre Frischelogistik in Deutschland neu. In den nächsten Jahren sollen fünf Umschlagzentren in Betrieb gehen, die vor allem Obst und Gemüse von überregionalen und internationalen Erzeugern aufnehmen. Das erste Zentrum steht bereits in Leipzig. Rewe nennt die Standorte Kopflager, weil sie der Regionallagerstruktur übergeordnet sind. Künftig können die LKW aus den Niederlanden, Spanien, Griechenland oder der Türkei ihre Salate, Gurken und Äpfel oder auch exotischen Früchte mit nur einer Anfahrt komplett entladen. Die Tour vom Anfang bis zur Entladung steuert Rewe. Der Konzern verspricht sich durch die Mengenbündelung eine bessere Prognose und damit eine bedarfsgerechtere Belieferung der kleineren Lager, von denen aus die 15.000 Märkte bedient werden. Damit verringern sich zudem die Umschlagzeiten, aber auch die Verluste.

Auslieferung mit E-Bikes und E-Autos

Zur Auslieferung von Frischeprodukten kommen aber auch andere Transportmittel als der Transporter oder LKW zum Einsatz. So setzt etwa der Fisch- und Meeresfrüchtespezialist Deutsche See in Berlin und Hamburg für die Gastronomiekundschaft Elektrofahrräder ein. Bis zu 40 kg Fisch fasst die isolierte Ladekiste. Die Box ist zwischen dem Vorderrad und dem Lenker platziert und wird zusätzlich solar betrieben gekühlt.

Normalerweise liefert das Unternehmen jedoch mit Zweikammerfahrzeugen aus. Künftig will Deutsche See aber auch Privatkunden beliefern, die online bestellen. Die Touren dafür übernimmt ein angepasster VW E-Up. Anstelle einer Rückbank verfügt das Elektroauto mit einer Reichweite von bis zu 150 km über eine Kühlzelle.

Verpackungsproblem im Onlinehandel

Ein Knackpunkt im Lebensmittel- Onlinehandel ist die Verpackung. Viele Onlineshopper, die es schon probiert haben, klagen vor allem über Berge von Verpackungsmaterial: Styropor, Luftpolsterfolien, Einweg-Kühlakkus. Deshalb ist es wichtig, zum Beispiel an Mehrwegverpackungen zu arbeiten. Das hat Deutsche Post DHL getan. Mit der Entwicklung der Multibox verfolgt der Konzern das Ziel, einen Euro-Standard für den Online-Lebensmittelversand zu etablieren. Dies sei der erste Mehrweg-Isolierbehälter, der für den Einsatz in einem Paketnetz mit einem Gewicht von bis 31,5 kg geprüft und für Sortieranlagen zugelassen sei. Die Multibox gewährleistet dem Unternehmen zufolge beim Versand bis zu 48 Stunden eine konstante Temperatur von circa 3 bis 6 °C. Die Isolierung sowie die Raumaufteilung werden dabei durch Kühlakkus oder Isolierwände realisiert. Somit können zum Beispiel bis zu 12 Weinflaschen oder 24 Flaschen à 0,33 l oder 20 Flaschen à 0,5 l in nur einem Behälter transportiert werden. Das Trägeretikett für das Versandlabel lässt sich zudem entfernen, was die Wiederverwendung der Box ermöglicht und damit Ressourcen schont.

Die Multibox ist bereits beim konzerneigenen Onlinesupermarkt Allyouneed.com im Einsatz. Statt in bisher üblichen Kartons liefert der Kurierservice im Rahmen der Abendzustellung nun in Tüten. Bis zur Übergabe befindet sich die Ware in der versiegelten und bei Bedarf gekühlten Transportbox. Diese nimmt der Zusteller gleich wieder mit, so dass keine Versandverpackung beim Kunden verbleibt und die Box direkt wieder einsatzbereit ist.

Ein paar Schritte weiter denken bereits die Forscher des Instituts für Verpackungstechnik des Vereins zur Förderung innovativer Verfahren in der Logistik. Dort läuft die Machbarkeitsstudie Bintelligence. Das Ziel: ein mehrwegfähiger Behälter, der alle drei Temperaturbereiche abdeckt. Sensoren liefern Werte, die der Kunde über einen semiaktiven HF-RFID-Transponder mit einem Smartphone auslesen kann. Die Energieversorgung übernimmt ein thermoelektrischer Generator. Der ist in die Außenwand integriert und gewinnt Energie aus der Temperaturdifferenz vom Inneren des Behälters und der Umgebung.

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