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Handel rüstet sich für Amazons Angriff

08. Februar 2017 aktualisiert am 17.02. 11:43h | von Claudius Semmann

Fast alle großen deutschen Lebensmittelhändler arbeiten derzeit an E-Commerce-Konzepten. Nur Aldi ist noch ohne Lieferdienst und plant auch nichts. Am weitesten unter den etablierten Ketten dürfte Rewe sein. Dessen Lieferservice ist in 75 Städten verfügbar und erreicht dem Konzern zufolge rund 30 Mio. Einwohner. Nicht präsent ist er ausgerechnet im Ruhrgebiet. Dort ist die genossenschaftlich organisierte Rewe Dortmund für den Vertrieb zuständig.

Die Rewe Group erwartet ein kontinuierliches Wachstum und geht davon aus, dass in Deutschland „in absehbarer Zukunft nennenswerte Umsatzanteile im Onlinegeschäft erzielt werden“. Daher werde das Liefernetz schrittweise erweitert – mit komplett eigenem Personal und eigenen Fahrzeugen, wie Rewe betont. Auch werde der Abholservice weiter ausgebaut. Zu konkreten Plänen oder zum Umsatz schweigt Rewe genau wie alle anderen von der DVZ befragten Händler. Auch zu den Logistikprozessen äußert sich der Konzern nicht.

Noch bedeckter hält sich der genossenschaftlich organisierte Rivale Edeka. Das Online-Engagement des größten deutschen Lebensmittelhändlers hält sich noch in Grenzen. Anspruch sei es, den 4000 selbstständigen Kaufleuten in den sieben Regionalgesellschaften für ihre individuellen Shops und Lieferdienste eine stabile technische Infrastruktur zu schaffen. „Hier arbeiten wir intensiv an Lösungen“, teilte die Zentrale in Hamburg mit.

Zudem sammelt Edeka mit Bringmeister seit Januar in Berlin und München Erfahrungen im reinen Onlinehandel. Dieses Geschäft wolle Edeka weiterentwickeln. Bringmeister gehörte bisher zur Supermarktkette Kaiser’s Tengelmann, die Edeka zum Jahreswechsel übernommen hat. Der Onlinehändler liefert in den beiden Metropolen aus jeweils einem Zentrallager mit eigenen Kühlfahrzeugen aus.

Den bekanntesten Edeka-Shop betreibt die Regionalgesellschaft Südwest mit Edeka24. Der Shop bietet aber keine Kühlartikel. „Da gibt es noch keine praktikable und bezahlbare Lösung, die unsere Ansprüche an Frische und Qualität erfüllt“, teilte Edeka Südwest mit. Es gehe derzeit vor allem darum, Erfahrungen zu sammeln. Eine Ausweitung sei momentan nicht geplant.

Die zur Metro Group gehörende Warenhauskette Real gibt aktuell gar keine Auskunft. Das Unternehmen steckt mit seinem bisher Real Drive genannten Angebot nach DVZ-Informationen in einem Relaunch. Hier dürfte es also bald Neuigkeiten geben. Zu Real gehört auch der Düsseldorfer Händler Emmas Enkel, der inzwischen als reiner Onlinehändler am Markt agiert.

Das Angebot der Schwarz-Gruppe, zu der Lidl und Kaufland gehören, hat wie bei Edeka bisher eher Testcharakter. Lidl liefert von den Standorten Großbeeren (Brandenburg) und Speyer (Rheinland-Pfalz) aus zwar bundesweit, hat aber kein Kühlsortiment verfügbar. Ein Pilotprojekt zum Ausbau des Onlinehandels hat Lidl eingestampft. Die geplanten Abhol-Minisupermärkte „Lidl Express“ werden nicht eingeführt. Nach einer Machbarkeitsprüfung sei man zu dem Schluss gekommen, „das Pilotprojekt zum Onlinehandel mit frischen Lebensmitteln nicht in eine operative Phase zu überführen“. Man wolle sich auf den Ausbau internationaler Onlineshops fokussieren. Das Projekt sollte an der Schnittstelle zwischen Online- und Offlinewelt ansetzen: Nach Bestellungen im Internet sollten Kunden Waren in den kleinen Filialen abholen können. In Berlin wurde eine Pilotfiliale eingerichtet, die aber nicht eröffnet wurde.

In der Hauptstadt können Kaufland-Kunden seit Oktober aus einem Vollsortiment bestellen. Der Ausbau in weiteren Regionen ist geplant. Hamburg steht bereits fest. In Berlin hat Kaufland zusätzlich zu dem Lieferservice im Januar eine Abholstation mit 60 Fächern und drei Temperaturzonen in Betrieb genommen, weitere sollen folgen. Auch Kaufland setzt auf eine hauseigene Logistik. Das Logistikzentrum befindet sich in Lichterfelde im Süden Berlins.

Zu den schon größeren Lebensmittel-Onlineshops zählt der Vollsortimenter Mytime. Betreiber ist das Handelsunternehmen Bünting aus dem ostfriesischen Leer. Die Bestellungen werden im Zentrallager in Oldenburg (Niedersachsen) kommissioniert und dort von Logistikpartnern abgeholt. „Unsere Umsätze haben sich seit dem Start im Jahr 2012 positiv entwickelt“, sagte Frank Harder, Geschäftsführer Bünting E-Commerce, der DVZ.

Bei den reinen Onlinehändlern dürften künftig vor allem der DHL-Lieferdienst Allyouneedfresh und natürlich Amazon eine wichtige Rolle spielen. Aktuell gehören ansonsten noch Food.de, Lebensmittel.de, Lieferello sowie Gourmondo zu den größeren Anbietern mit einem breiten Sortiment.

Max Thinius, Sprecher von Allyouneedfresh sowie des Forums Lebensmittel im E-Commerce-Verband BEVH, ist überzeugt: „Lebensmittel-Onlinehandel wird ein ganz normaler Teil unseres Alltags werden.“ Der Lieferdienst bietet ebenfalls das volle Sortiment an. Die bestellten Waren werden an den Standorten Nürnberg/Feucht und Kassel in das DHL-Netz eingespeist.

Und Amazon? Der Angstgegner der deutschen Lebensmittelhändler ist bereits in dem Segment aktiv, wenn auch nicht unter dem Namen Amazon Fresh. Denn der Schnelllieferdienst Prime Now liefert in Berlin und München unter anderem Lebensmittel wie Obst und Gemüse sowie Kühl- und Tiefkühlprodukte aus. Die Bestellungen werden direkt in Berlin (Kurfürstendamm) und München (Neue Hopfenpost, Nähe Hauptbahnhof) kommissioniert. Bei der Auslieferung arbeitet Amazon mit Kurierdiensten zusammen. Als dritter Standort wird seit Monaten Bochum gehandelt. Natürlich wolle Amazon den Service möglichst vielen Kunden anbieten. „Voraussetzung dazu ist aber, dass wir die Infrastruktur für unsere Logistik aufgebaut haben“, teilte der Konzern auf Anfrage mit und fügte hinzu. „Der Markt steht noch ganz am Anfang und wird sich in den nächsten Jahren noch immens entwickeln.“

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