placeholder placeholder placeholder placeholder placeholder placeholder placeholder placeholder

Handel ändert Lieferketten

(Foto: Plainpicture/Millennium/Liverani)

25. August 2014 | von Robert Kümmerlen
Der Autor

Robert Kümmerlen, Mitarbeit: Claudius Semmann

Empfehlung

In der Handelslogistik werden artikelspezifische Lieferketten an Bedeutung gewinnen. Das gilt nicht nur für die Beschaffungsseite, sondern für das gesamte Netzwerk. Das geht aus der aktuellen Studie der Bundesvereinigung Logistik (BVL) "Logistik im Handel - Strukturen, Erfolgsfaktoren, Trends" hervor. Demnach werden Händler entsprechend der Charakteristik der Artikel unterschiedliche Lieferketten betreiben oder individuelle Dienstleistungen anbieten. Dies ist derzeit schon bei Elektrofachhändlern zu beobachten, die neben der Lieferung auch Montage und Reparaturservices anbieten.

Auch die Filiallogistik bietet noch viele Möglichkeiten der Kosteneffizienz durch Optimierung der Bestände und Prozesse. Der Servicegedanke gewinnt an Bedeutung, "womit Mehrwertleistungen seitens des Handels auch bezahlt werden", sagt Christian Kille, Logistikprofessor an der Hochschule Würzburg-Schweinfurt. Dazu gehörten standardisierte Leistungen wie Installation, Geschenkverpackung oder Individualisierungen wie Gravuren und maßgeschneiderte Gestaltung der Produkte.

Derartige Mehrwertservices lassen die Logistikkosten steigen. Und die sind bereits hoch. "Mit geschätzten 64 Mrd. EUR beträgt der Anteil des Handels fast 30 Prozent der gesamten in Deutschland verursachten Logistikkosten", heißt es in der BVL-Studie. Zum Vergleich: In der Autoindustrie liegt der Anteil bei etwa 11 Prozent.

Online-Umsatz wird weiter steigen

Die Studie basiert auf Interviews mit 20 Unternehmens- und Logistikexperten aus dem Handel, die wiederum als Grundlage für eine Onlinebefragung dienten. Für einen Großteil der befragten Logistikentscheider hat der Gewinn zwar höchste Priorität. Die Praxis im Onlinehandel sieht aber oft anders aus. Dort nehmen etwa Unternehmen wie Zalando zunächst Verluste für starkes Wachstum in Kauf. E-Commerce und mobiles Internet wirken sich derzeit am stärksten auf die Handelslogistik aus. Erst dann folgen Faktoren wie Verbraucheranforderungen, demografischer Wandel, Kostendruck und Nachhaltigkeit.

Von den befragten Logistikentscheidern glauben 98 Prozent, dass der Onlinehandel seinen Umsatzanteil künftig weiter ausbauen wird. Das deckt sich mit der Einschätzung anderer Marktexperten. "In manchen Segmenten werden sich zwischen 30 und 70 Prozent der Handelsumsätze in den Internetkanal verschieben", prognostiziert Michael Lierow, Partner bei dem Beratungsunternehmen Oliver Wyman. "Wer diese Entwicklung ignoriert, läuft große Gefahr, an Bedeutung zu verlieren." Allerdings besteht bei einem schlecht gemachten Multichannel-Vertrieb das große Risiko, lediglich Geld zu versenken. "Eine Mischung kann also sinnvoll sein, aber auch reine Stationär- wie Onlinekonzepte werden künftig funktionieren. Nicht jeder muss und sollte online gehen", empfiehlt Lierow. Der Studie zufolge sagen neun von zehn Befragten, dass die Verzahnung der verschiedenen Vertriebskanäle an Bedeutung gewinnen wird.

Taggleiche Lieferung nimmt zu

Die Verbraucher werden künftig noch stärker das mobile Internet für ihre Einkäufe nutzen. Auch davon sind fast alle Befragten überzeugt. Weniger Übereinstimmung herrscht beim Thema taggleiche Lieferung. Dass Same Day Delivery in Zukunft eine bedeutende Rolle einnehmen wird, glauben aber immer noch 43 Prozent der Logistikentscheider. "Eine Voraussetzung dafür ist eine stark dezentralisierte Logistik, die zumindest für Schnelldreher sinnvoll sein kann", sagt Lierow.

Eine wichtige Frage in dem Zusammenhang ist, wodurch eigentlich taggleiche Lieferungen vorangetrieben werden. Dies sind laut Steffen Wagner, Partner bei KPMG, weniger die großen Dienstleister. "Diese sind mit ihren auf großvolumige, internationale Expresslieferungen ausgerichteten Netzen gar nicht in der Lage, taggleiche Lieferungen abzubilden", sagt der für das globale Transportgeschäft verantwortliche Berater. "Das zeigt sich allein daran, dass Amazon es gern stärker anbieten würde, es derzeit aber mit den bisherigen Versendern nicht kann. Das sei ein Grund dafür, dass der Konzern in den USA teilweise begonnen hat, eine eigene Lieferlogistik aufzubauen.

Grundsätzlich gerät durch den E-Commerce der Endkunde mehr in den Fokus, sagt Handelsexperte Kille. "Im Handel ist die Logistik getrieben von den Kunden. Sie kann vieles vereinfachen, optimieren und beschleunigen." Das gelte auch für die Beschaffung. Die Händler werden der Untersuchung der BVL zufolge für bestimmte Artikel auf die Selbstabholung setzen, zugleich aber einen Teil der Warenlieferung in der Verantwortung der Lieferanten belassen. Es sei nicht damit zu rechnen, dass sich ein Konzept flächendeckend durchsetzt, schreiben die Autoren der Studie.

"Die Beschaffung und die Filiale haben beide ganz eigene Blickwinkel, die mit der Logistik nicht selten kollidieren", beobachtet Kille. Die Filiale will verkaufen, die Beschaffungsabteilung will billig einkaufen. Die Filiallogistik biete Kille zufolge noch viele Möglichkeiten, Bestände und Prozesse zu optimieren. Das bestätigt auch die Untersuchung, wonach gerade in diesem Segment für Logistikdienstleister die Möglichkeit liegt, Services wie die Regalbefüllung zu übernehmen.

Die Filiallogistik werde derzeit noch von vielen Einzelhändlern unzureichend bei der Optimierung der Versorgungskette berücksichtigt, heißt es in der Studie. Das liege unter anderem daran, dass die Filiallogistik selten der Logistik, sondern meist dem Vertrieb zugeordnet ist.

Wesentliche Erfolgsfaktoren

Die Untersuchung "Logistik im Handel" führt Erfolgsfaktoren der Handelslogistik an. Dazu gehören Personal in der Logistik, Informationstechnik, Supply Chain Management sowie Logistiknetz und Dienstleistereinsatz. Der Förderung der Mitarbeiterqualifikation kommt demnach die größte Bedeutung zu.

Darüber hinaus kann der interne Ausbau der Kooperation unter den Unternehmensbereichen Einkauf, Logistik und Vertrieb die Profitabilität steigern. Gleiches gilt für unternehmensübergreifende Zusammenarbeit zwischen Händlern, Lieferanten und Dienstleistern.

placeholder placeholder placeholder placeholder placeholder placeholder placeholder placeholder

Schreiben Sie uns Ihren Kommentar!

Kommentar online veröffentlichen
Kommentar nur an die Redaktion senden
Online verfasste Kommentare können auch als Leserbriefe in der Printausgabe der DVZ veröffentlicht werden. Mit dem Absenden des Kommentars stimmt der Nutzer dieser Veröffentlichung ausdrücklich zu.

* Pflichtfeld