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Europaket will Kep-Markt neu bespielen

Als 4PL-Dienstleister steuert Europaket rund 100 Frachtführer. (DVZ-Illustration: Carsten Lüdemann)

11. Februar 2016 | von Axel Granzow

(Foto: Europaket)

Janssen-Gruppe

Die Europaket GmbH Germany ist ein Schwesterunternehmen der 2008 gegründeten Europakket BV. Beide Unternehmen sind Teil der Janssen Holding BV, die seit 1877 als Spezialist für Transportlösungen im Fracht- und Paketbereich gilt. Janssen Holding BV beschäftigt rund 400 Mitarbeiter in fünf Geschäftsbereichen: Janssen Distribution Services BV (Europa-Verkehre auf der Straße), Janssen Air & Ocean (See- und Luftfrachtspedition), Europakket BV und Europaket+ GmbH Germany (Paketlösungen) sowie Janssen Value Added Services (Mehrwertdienstleistungen). Geschäftsführer der Europaket+ GmbH Germany sind Silvio Richter (Bild rechts), Gerhard Lupert (links) und Pieter Hulspas.

Leise Töne sind nicht die Sache von Silvio Richter und Gerhard Lupert. „Wir wollen der große Transportanbieter in Europa für Pakete werden“, sagen die beiden, die gemeinsam mit Pieter Hulspas das Führungstrio des Paketspediteurs Europaket Germany GmbH mit Sitz in Düsseldorf und Gütersloh bilden. Sie arbeiten dabei mit der niederländischen Schwestergesellschaft Europakket BV aus Venlo zusammen. Beide gehören zum niederländischen Logistiker Janssen Holding BV. Sie verstehen sich als 4-PL-Serviceprovider“ und ausdrücklich nicht als Konsolidierer. Angeboten werden „Multi-Carrier-Transportlösungen vor allem für den B2C-Sektor“, und das scheinbar mit wachsendem Erfolg. Denn das Ziel klingt angesichts des hart umkämpften Paketmarkts sehr ambitioniert.

Angetrieben wird die Gruppe vom boomenden E-Commerce-Geschäft und der Internationalisierung. „Das Wachstum übertrifft unsere Erwartungen“, sagt Lupert. Aktuell werden etwa 50 Kunden gezählt. Einer der größten Aufträge kam bislang von einem der größten Online-Auktionshäuser. Hauptzielgruppe sind große Auftraggeber mit einem jährlichen Paketvolumen von um die 100.000 Stück. Den Gruppenumsatz beziffert Richter auf rund 50 Mio. EUR. Beschäftigt werden 30 Mitarbeiter. Organisiert wurde den Angaben zufolge bislang der Transport von 10 Mio. Paketen. „Wir rechnen mit einem Wachstum von 10 bis 20 Prozent im Jahr“, sagt Richter. In fünf Jahren will das Unternehmen die 100 Mio. EUR Umsatz erreichen.

„Eine interessante Lösung für Kunden mit spezifischen Anforderungen“, meint der Hamburger Logistikexperte Horst Manner-Romberg. Vor allem in der Konzentration auf Großkunden sieht er eine realistische Chance für das Unternehmen. Zumal es als „Sofa-Spediteur“, also ohne eigenes Netz und eigene Assets, auskommt und sich dafür bei Dienstleistern bedient. Richter und Lupert sind außerdem keine „Newcomer“. Sie waren lange Jahre bei der Bertelsmann-Tochter Arvato Services in Gütersloh beschäftigt, Richter zuletzt als Geschäftsleiter des Bereichs Transport. Sie hatten das Transportkonzept bereits dort entwickelt.

Arvato organisiert zum Beispiel den Transport von Handys an Privatkunden für seine Logistikkunden aus dem Bereich Telekom. Aus dieser Zeit stammt auch der Kontakt zur niederländischen Janssen-Gruppe. Im Zuge einer strategischen Neuausrichtung von Arvato im Jahr 2014 erfolgte die Trennung. „Wir haben uns damals entschieden, unter dem Dach des niederländischen Partners und Investors unsere Ideen im Transportbereich in einem eigenen Unternehmen zu verwirklichen“, begründen Richter und Lupert die Gründung von Europaket. Die niederländische Schwestergesellschaft besteht bereits seit 2008.

Herausforderung letzte Meile

Nachfragezuwächse sehen sie künftig vor allem in den Bereichen Fashion und Lifestyle. „Hier sind wir durch die Fähigkeit, Transporte zu bündeln, Prozesse zu optimieren und ein durchgängiges Retourenmanagement organisieren zu können, sehr gut positioniert“, glauben sie. Es gebe bislang noch viel zu wenige Lösungen für diese Aufgaben im Markt. Eine große Herausforderung sehen sie in der Citylogistik, der Belieferung der Innenstädte auf der letzten Meile. „Da ist eine drastische Optimierung gefragt, bis hin zu einem Konzept, bei dem ein Dienstleister die große Mehrheit der Kunden beliefert“, sagt Lupert.

Nötig sei auch ein neues Konzept, um die Belieferung präziser zu machen, also einen optimalen Übergabezeitpunkt und -ort zu finden. „Jeder Übergabeversuch, der nicht funktioniert, kostet Zeit und Geld“, weiß Lupert. Gemeinsam mit rund 100 Frachtführern als Partner – mehrheitlich Paketdienstleister – wollen sie diese Herausforderungen angehen. „Es geht nicht darum, wegen ein paar Cent weniger konkurrierenden Paketdiensten Aufträge abzujagen“, sagen sie. „Wir verstehen uns als neutraler, unabhängiger Partner sowohl für unsere Kunden als auch für die Carrier“, betonen Richter und Lupert. Denn das Unternehmen managt den kompletten Transportprozess aus einer Hand, von der Abholung der Pakete beim Lieferanten bis zur Auslieferung an der Haustür des Käufers im In- und Ausland inklusive Zollabwicklung und weiterer Speditionsdienstleistungen.

Carrier könnten profitieren

„Durch die Kombination von Verkehrsträgern, Carrier-Strategien und Technologien unter Ausnutzung von Synergien erzeugen wir völlig neue Dienste“, sind die Geschäftsführer überzeugt. Den Carriern verschaffe dies sogar Wachstumsmöglichkeiten, meinen sie, insbesondere im internationalen Geschäft. Denn selbst die großen Paketdienste verfügen über keine vollständigen Europa-Netzwerke im B2C-Paketgeschäft.

Mit der Nennung von Kunden hält sich Europaket zurück. Auf der Webseite des Unternehmens ist als Referenzprojekt lediglich die Übernahme des Transportmanagements für einen Hersteller optischer Erzeugnisse genannt. Dabei ging es um die Distribution von jährlich 2 Mio. Sendungen in zwei Dutzend Länder.

Bislang ist Europaket vor allem europaweit tätig. Nun aber strebt man – gemeinsam mit der Muttergesellschaft – nach Übersee. Gerade wurde ein Joint Venture in den USA unterzeichnet, mit dem „eine transatlantische Brücke“ geschlagen werden soll. „In der Zukunft werden weitere neue Märkte hinzukommen“, kündigt Richter an. Ohne Partner sei das aber kaum möglich. Im Visier hat man vor allem Asien, langfristig auch Afrika und Südamerika. Das Joint Venture in den USA mit dem Logistiker SP Express hat Janssen Distribution Services vereinbart, wie aus einer Mitteilung des Unternehmens hervorgeht.

Europaket greift auf das gesamte Netzwerk von Janssen zurück, beispielsweise auf Lager in Venlo. Der niederländische Spediteur und Logistiker verfügt auch über einen eigenen Fuhrpark sowie eine See- und Luftfrachtspedition.

„Wir bauen für jeden Versand ein nach den Gesichtspunkten Service und Preis optimiertes Carrier-Netz auf“, erläutert Richter. Dazu werden auf Basis von Benchmarks und Kostensimulationen die Carrier identifiziert, die für einzelne Länder, Kundengruppen oder Empfänger am besten geeignet sind. So entwickle das Unternehmen zum Beispiel jeweils spezifische Linehaul-Netze, die als Alternative zu Direktverkehren für eine bessere Auslastung der LKW sorgen.

Obwohl eine Vielzahl von Dienstleistern beschäftigt werde, gebe es Lupert zufolge für den Kunden nur einen Ansprechpartner mit nur einem IT-System, einem Vertragsabschluss und einer Abrechnung. Vorteil für Kunden mit einem großen Versandvolumen: Sie profitieren von einer Multi-Carrier-Strategie, die über alle Verkehrsträger hinweg greift. (rok)

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