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Hermes rückt an Kunden ran

(Foto: hermes)

05. Juni 2014 | von Harald Ehren

Hanjo Schneider

Seit 2009 ist Hanjo Schneider im Vorstand der Hamburger Otto Group für Services zuständig, wozu vor allem die Logistikgruppe Hermes gehört. In Personalunion ist Schneider, Jahrgang 1961, Chief Executive Officer von Hermes Europe. Begonnen hatte er seine Otto-Karriere anno 2002, als er bei der Hermes Logistik Gruppe den Vorsitz der Geschäftsführung übernahm. Davor war er bei der damaligen Speditionsgruppe Danzas tätig. Neben einer kaufmännischen und betriebswirtschaftlichen Ausbildung verfügt Schneider über einen MBA-Abschluss (Master of Business Administration).

Herr Schneider, war es schwierig, Ihre Vorstandskollegen davon zu überzeugen, 300 Mio. EUR in Hermes zu investieren?

Schneider: Ja und nein. Finanzielle Investments in dieser Größenordnung werden innerhalb der Otto Group selbstverständlich in bester hanseatischer Kaufmannstradition kritisch überprüft. Aber sowohl der Gesamtvorstand als auch der Gesellschafterrat haben mit großer Überzeugung zugestimmt. Alle Beteiligten waren und sind davon überzeugt, dass Hermes die erfolgreiche Entwicklung der vergangenen zehn Jahre auch zukünftig fortsetzen wird. Es gab also eine gute gemeinsame Basis für die zu treffende Entscheidung. Und das zeichnet auch ein Familienunternehmen wie das unsere aus: Wir denken langfristig und handeln entsprechend.

Was bedeutet ein 300-Mio.- EUR-Investment für die Otto Group? Das ist doch selbst für Otto-Verhältnisse ein dicker Brocken...

...vor allen Dingen ist es ein Beleg für die Finanzstärke des Konzerns. Schließlich hat Otto vor wenigen Wochen erst die neue Open Commerce Plattform Collins gelauncht, in deren Aufbau und Entwicklung ebenfalls ein dreistelliger Millionenbetrag investiert wird - ein sehr überzeugendes Projekt. Wir sind also derzeit auf den verschiedenen Geschäftsfeldern sehr aktiv und innovativ unterwegs.

Wie muss man diese Entscheidung bewerten? Hat die Otto Group damit die Stellung von Hermes deutlich gestärkt?

Das Segment Service umfasst die gesamte Supply Chain, wobei die Logistik sowie die weltweiten Sourcing-Aktivitäten von Hermes-Gesellschaften geleistet werden. Damit sind wir ein wichtiger Pfeiler für die Gesamtstrategie des Konzerns. In den vergangenen zehn Jahren konnten wir deutlich schneller wachsen als der Markt und nehmen heute als Partner des Distanzhandels innerhalb und außerhalb des Konzerns eine führende Rolle in Europa ein. Entsprechend groß ist die Wertschätzung innerhalb des Konzerns.

Wie ist die Investitionssumme in der Kep-Branche einzuordnen?

Das ist sicherlich eine der größeren Investitionen. Natürlich investieren alle namhaften Kep-Dienstleister derzeit in ihre Netze und Services. Aber im 2C-Geschäft besetzt Hermes aufgrund seiner Expertise traditionell eine marktführende Position. Und diese werden wir durch den Umbau der logistischen Infrastruktur weiter ausbauen, zumal wir die Kapazitäten deutlich erweitern. Ich sehe Hermes für die kommenden Jahre - auch in Hinblick auf den zunehmenden Wettbewerb - in Europa sehr gut aufgestellt.

Was sind die wichtigsten Punkte des Infrastrukturausbaus?

Wir bauen das System um: von einer "few2many" in eine "many2many"-Struktur. Das bedeutet unter anderem, dass wir mehr Einschleusungspunkte etablieren, Sendungen direkt und ohne Umwege über eine Hauptumschlagbasis transportieren sowie Strecken verkürzen. Dadurch erzielen wir drei wesentliche Effekte: eine größere regionale Nähe zu kleineren und mittelgroßen Auftraggebern, spätere Annahmezeitpunkte für Sendungen und kürzere Laufzeiten. Allesamt attraktive Aspekte für Distanzhändler. Auf dieser Basis werden wir auch neue, kundenfreundliche Produkte für den Endkunden entwickeln und anbieten. Drohnen und andere Marketing-Gags sind damit ganz sicher nicht gemeint!

Die Hermes Logistik Gruppe (HLGD) und Hermes Transport Logistik (HTL) werden enger zusammengeführt. Warum?

Eine beispielsweise im Internet bestellte Ware gelangt nur durch die synchronisierte Transportorganisation der langen und kurzen Strecke sicher an die private Haustür. Folglich sind Distanzhändler sowohl für die HLGD als auch die HTL gleichermaßen eine bedeutsame Zielgruppe. Vor diesem Hintergrund haben die Geschäftsführungen übereinstimmend beschlossen, die beiden eigenständigen Unternehmen einheitlich auf strategische Zielsetzungen hin auszurichten. Dafür wird auch geprüft, wo gemeinsam gesellschaftsübergreifende Organisationsformen geschaffen sowie operative und finanzielle Synergien generiert werden können, um die Wettbewerbsfähigkeit von Hermes weiter auszubauen. Es kommt also zusammen, was zusammen gehört.

Frank Rausch und Frank Iden werden dabei als Doppelspitze agieren. Wie arbeiten die beiden zusammen?

Beide führen die HLGD und die HTL künftig als CEO-Doppelspitze. Frank Iden wird sich auf die Vertriebs- und Marketingthemen fokussieren, Frank Rausch wird sich um das operative Geschäft sowie die kaufmännischen Ressorts kümmern. Die beiden sind erfahrene Geschäftsführer, kennen sich in ihren Ressorts bestens aus und werden Hermes erfolgreich weiterentwickeln. Beide Herren genießen unser volles Vertrauen.

Sie haben die kleineren und mittelständischen Händler als neue Zielgruppe ausgerufen. Welche Potenziale sehen Sie dort?

Die Zielgruppe ist nicht neu für uns, hält aber noch viel Potenzial bereit. Schon heute agieren wir als Logistikpartner von über 10.000 kleineren und mittelständischen Händlern und Marken mit entsprechenden Sendungsmengen. Unsere heutige Infrastruktur ist aber insbesondere auf die Bedürfnisse großer Distanzhändler ausgelegt. Die großen Hub-Standorte von Hermes in Deutschland belegen dies - und selbstverständlich halten wir an diesen auch unbedingt fest. Durch die neue Aufstellung rücken wir aber auch näher an Ballungszentren und Regionen mit starkem Wachstum heran - beispielsweise in Süddeutschland - und können das Marktpotenzial kleinerer Auftraggeber sowie das Privatkundensegment besser ausschöpfen.

Wie groß ist dieser Markt geworden? Über welche Zahl von Partnern sprechen wir da?

Die großen Key Accounts unter den deutschen Distanzhändlern - also die Top 100 - werden mittlerweile von den Paketdienstleistern gut bedient. Viele von ihnen gehören übrigens zu unseren Kunden. Aber auch die im Ranking folgenden Anbieter verzeichnen stark wachsende Sendungsaufkommen. Viele unserer Partner, die vor Jahren mit unserem Produkt "Profi Paket Service" begonnen haben, sind mittlerweile veritable Großkunden und werden entsprechend betreut. Wir sind also traditionell gerne ein starker Partner von schnell wachsenden Unternehmen.

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