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Konsumgüter treiben Wachstum

Amazon-Versandzentrum in England: Der Onlinehandel bleibt einer der Treiber des Transportaufkommens in Europa. (Foto: Mauritius Images)

23. Oktober 2015 | von Claudius Semmann

Die Studie kann im DVZ-Shop für 445 EUR bezogen werden (bei Bestellung bis zum 31. Januar 2016). Neben der Buchform gibt es erstmals auch die Möglichkeit, die Studie über eine App zu nutzen. www.dvz.de/top100

Das Logistikvolumen in Europa steigt seit dem Rückgang im Jahr 2012 kontinuierlich. Der Sektor wuchs im vergangenen Jahr gegenüber 2013 um etwas mehr als 2 Prozent auf 960 Mrd. EUR. Das sind 6,9 Prozent (2012: 6,7 Prozent) des kumulierten Bruttoinlandsprodukts (Bip) der betrachteten 28 EU-Länder plus Norwegen und Schweiz. Die reale Wachstumsrate des Bip der 28 EU-Länder lag im vergangenen Jahr bei 1,4 Prozent und damit mehr als 0,6 Prozentpunkte unter dem Wachstum der Logistik. Das geht aus der aktuellen Studie „Top 100 in European Transport and Logistics Services“ hervor, die alle zwei Jahre neu aufgelegt wird. Die Fraunhofer-Arbeitsgruppe für Supply Chain Services (SCS) veröffentlicht die neue Ausgabe pünktlich zum 32. Deutschen Logistik-Kongress, der am Mittwoch in Berlin startet.

„Wachstumsimpulse kommen mengenmäßig nicht aus den großen Industrien, sondern aus den Konsumgütersegmenten wie zum Beispiel Lebensmittel, Bekleidung oder Holz/Papier“, sagt Fraunhofer-SCS-Marktexperte Martin Schwemmer, einer der Autoren der Studie, und fügt hinzu: „Der Trend zu Onlinebestellungen zeigt sich in Europa flächendeckend und treibt das Wachstum.“ Das zeigt sich vor allem im Teilmarkt Kep-Dienste, der 2014 ein Volumen von etwa 70 Mrd. EUR in Europa erzielte. Eine große Herausforderung für Logistikdienstleister aller Teilsegmente sei vor allem die Digitalisierung, sagt Schwemmer. „Zirka 80 Prozent der Logistikdienstleister schätzen, dass aufgrund der Digitalisierung schon kurzfristig wesentliche Investitionen notwendig werden.“

Gestiegen ist das Logistikmarktvolumen seit 2012 zum Beispiel in Frankreich, Spanien, den Niederlanden, Polen, Belgien, Norwegen, Griechenland sowie in Deutschland. Dem gegenüber stehen Rückgänge in Großbritannien, Italien, Schweden sowie Finnland. Vor allem das Wachstum im wirtschaftlich angeschlagenen Griechenland überrascht. Tatsächlich stiegen die Gesamttonnagen dort von 2012 auf 2013 deutlich, jedoch 2014 nur moderat. „Die Rahmenbedingungen für die Logistik sind in Griechenland laut unseren Erhebungen aber schlecht“, sagt Schwemmer. „Weder Beschäftigung, Importe, Exporte, Straßentransportleistung, Infrastrukturbedingungen noch Bip-Wachstum liefern Wachstumsimpulse.“

Rentabilität für 15 Länder ermittelt

Zum ersten Mal hat Fraunhofer SCS die Rentabilität im europäischen Straßengüterverkehr für 15 Länder untersucht. Diese Analyse wurde gemeinsam mit Prof. Peter Klaus entwickelt, dem Vater der Top-100-Studie. Für den internationalen Vergleich verwenden die Forscher die Ebit-Marge, aus der sich ableiten lässt, wie hoch der prozentuale Anteil des Ergebnisses vor Zinsen und Steuern am Umsatz ist. Überraschend: Rumänien liegt hier mit 4,2 Prozent vorn. Diese Zahl basiert auf einer Stichprobe von 106 Unternehmen. Ebenfalls relativ hoch fallen die durchschnittlichen Margen für Großbritannien, Norwegen sowie Ungarn und Polen aus. Schlusslicht ist Frankreich (Stichprobe: 904 Unternehmen). Deutschland liegt im Mittelfeld.

Das europäische Transportaufkommen beziffert Fraunhofer SCS für 2014 auf 18,6 Mrd. t (2010: 19 Mrd. t), was im Vorjahresvergleich in etwa einer Stagnation entspricht. Die Transportkosten betragen über alle Verkehrsträger und Länder rund 426 Mrd. EUR oder durchschnittlich 23 EUR/t. Dabei ergeben sich für die zwei maßgeblichen Verkehrsträger Straße und Schiene 20,65 sowie 13,8 EUR/t.

XPO mischt Kontraktlogistik auf

Die Studienautoren Christian Kille, Martin Schwemmer und Christian Reichenauer gehen für Europa weiterhin davon aus, dass – wie auch in Deutschland – etwa die Hälfte des Volumens von 960 Mrd. EUR an Dienstleister vergeben ist. Den Schnitt zieht vor allem der größte Teilmarkt nach unten, die Kontraktlogistik. Auf das Segment entfallen 394 Mrd. EUR (2012: 383 Mrd. EUR) und damit 41 Prozent des Gesamtvolumens. Die komplexen Leistungen werden jedoch nur selten fremdvergeben. Der Outsourcinggrad beträgt nur 25 Prozent und damit 98 Mrd. EUR. Dem gegenüber stehen Stückgutverkehre, Kep-Dienste oder Leistungen der Luft- und Seefracht, die alle einen Outsourcinganteil von mehr als 90 Prozent aufweisen.

Die Top-Kontraktlogistiker in Europa sind Deutsche Post DHL, Kühne + Nagel (KN) sowie erstmals XPO Logistics durch die Übernahme des französischen Logistikkonzerns Norbert Dentressangle. Der expansive US-Logistikanbieter wird durch den Zukauf des US-Dienstleisters Conway in der Kontraktlogistik weiter wachsen. Denn Conway ist in dem Geschäftsfeld mit der Tochter Menlo auch in Europa aktiv, wo das Unternehmen 16 Logistikzentren betreibt.

Fiege und Hellmann fallen zurück

Im Ranking der umsatzstärksten Dienstleister in Europa hat sich auf den vorderen Plätzen gegenüber 2012 etwas getan. Neu in den Top 10 ist einzig Royal Mail (Rang 8). TNT Express fällt von Platz 10 auf 16 zurück. DB Schenker überholt Maersk und liegt hinter dem Spitzenreiter Deutsche Post DHL. KN ist weiterhin erster Verfolger der Top 3, Dachser rückt einen Platz vor auf Rang 11. Rhenus bleibt auf 13, Hermes klettert von 25 auf 21, Volkswagen Logistics von 21 auf 18. Arvato bleibt gerade noch in den Top 25. Fiege (38) und Hellmann (40) fallen weiter zurück.

Der Sprung von Royal Mail in die Top 10 (2012: Platz 23) ist laut Schwemmer nicht direkt einem Wachstum zuzuschreiben. Die britische Post habe ihre Berichterstattung umgestellt und weise die Umsätze im Paketsegment nun extra aus. „Somit bekommen wir die Logistikumsätze – ohne Brief – besser zu fassen“, sagt Schwemmer. Allerdings gebe es auch zwischen Brief und Paket Abgrenzungsschwierigkeiten, die sich auf die Darstellung in Geschäftsberichten auswirken und so zu einer Unschärfe führen können.

UPS nur noch knapp hinter DHL

Die Untersuchung enthält auch eine Weltrangliste. Die drei Kep-Giganten Deutsche Post DHL, UPS und Fedex führen das Ranking an, wobei der Vorsprung des Erstplatzierten nur noch hauchdünn ist. Den bisher Dritten, die China Railway Group, haben die Autoren aus dem Ranking genommen, weil es sich nicht wirklich um einen Logistiker handelt. DB Schenker verdrängt Russian Railways und gehört jetzt zu den Top 5. Als einzige reine Spedition schafft es KN in die Top 10, fällt aber von Rang 8 auf 10 zurück. Der dänische Konzern DSV landet auf Platz 31, dürfte aber nach der kürzlich besiegelten Übernahme der US-Spedition UTI Worldwide künftig in die Top 15 vorrücken.

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