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Radkuriere erobern Kep-Geschäft

Am 20. und 21. März kamen 400 Experten und 41 Aussteller aus 27 Ländern auf der Europäischen Fahrradlogistik-Konferenz in Wien zusammen. Austragungsort 2018 wird Berlin sein. (Foto: Mobilitätsagentur Wien/Christian Fürthner)

24. März 2017 | von Rainer Hennig

Auf der Europäischen Fahrradlogistik-Konferenz in Wien herrschte Aufbruchsstimmung. Denn die Lastenradbranche will zunehmend ein Teil von professionellen Lieferketten sein. Viele Radkurieren bringt ein Vertrag als Subunternehmer derzeit den Einstieg in das Kep-Geschäft. So ist es beispielsweise bei Zsolt Kilián aus Ungarn. Der Kurierdienst Hajtas Pajtas ist in Budapest seit 1993 unterwegs. Mitte 2015 startete er die Auslieferungen für den Paketdienstleister GLS. Ein großes Hub, rund 25 km außerhalb vom Stadtzentrum und ein City-Depot bilden das Rückgrat. „Aktuell haben wir sechs Räder im Einsatz“, sagt Kilián. Hinsichtlich der Kostenrechnung sagt er: „Über 300 Pakete am Tag in einem kleinen Gebiet – das kann sehr profitabel für das Geschäft sein.“

Wer das professionelle Radgeschäft sucht, darf eher nicht mit einem Öko-Bonus rechnen, betont Kilián. Die großen Logistikkonzerne seien tendenziell eher nur bereit, den Preis zu zahlen, den sie bei allen anderen Subunternehmern ansetzen. Er verweist auf die eigene Kalkulation und sagt: „Es liegt am Subunternehmen selbst, effizient zu sein.“ Der eigentliche Grund, warum das Konzept mit GLS funktioniert, ist der boomende Onlinehandel. Rund die Hälfte der Pakete wiege weniger als 2 kg, fügt Kilián hinzu.

Amazon ist die Messlatte
Auch Frank Müller aus Deutschland hat Erfahrung mit professioneller E-Commerce-Fahrradlogistik. Der Experte der europäischen Cargo Bike-Szene erzählt von Urban Cargo Berlin. Das Unternehmen ist für den Onlineriesen Amazon unterwegs – als Subunternehmer des Expressdienstes Go. Auch Kunden des Amazon-Schnelldienstes Prime Now bedient Urban Cargo. „Aktuell sind sieben Cargobikes für Amazon unterwegs“, sagt Müller.

Leistung sei „sehr, sehr wichtig.“ Der Service müsse zwölf Stunden an sechs Tagen in der Woche und über alle Jahreszeiten funktionieren. Zudem sei der Einsatz von Elektrobikes mit hoher Batterieleistung und hoher Ladekapazität entscheidend. In Zahlen sind das bei Urban Cargo zwei Akkus pro Rad mit jeweils 23 Ampere-Stunden (Ah) Ladeleistung und 250-l-Transportboxen, die bis zu 100 kg an Gewicht tragen.

Ununterbrochen einsatzbereit
Damit alles läuft, muss auch der Radservice reibungslos funktionieren. Müller nennt etwa gut organisierte Wartungspraktiken mit gelagerten Ersatzteilen oder Ladezyklen tagsüber und in der Nacht. Auch an Mitarbeitern sollte es nicht mangeln. „Es muss jemand da sein, der das Cargobike sehr schnell reparieren kann, damit es ununterbrochen einsatzbereit ist“, sagt Müller.

Chance für die Kep-Branche
In Wien sorgte auch eine Studie des Bundesverbands Paket und Expresslogistik (Biek) für Aufmerksamkeit. Ralf Bogdanski von der Technischen Hochschule Nürnberg bewertet darin das Lastenrad als wirtschaftliche Chance für die Kep-Branche. Der Logistikprofessor zeigt auf, dass die Kombination aus Mikro-Depots und Cargobikes wettbewerbsfähig sind. So würden etwa Parkplatzsuche, Auslieferungen in Einbahnstraßen oder auch wegfallende Wartezeiten vor Ampeln Effizienz bringen. Erfolgreiche Mikro-Depot-Projekte – sowohl von DPD und GLS in Nürnberg als auch von UPS in Hamburg – zeigten dies in der Praxis. Für den Durchbruch seien Bogdanski zufolge aber noch Verbesserungen nötig. Er nennt etwa das begrenzte Angebot an Modellen, lange Lieferzeiten bestellter Räder und Serviceeinrichtungen.

UPS startet in Wien
Wien selbst, wo sich alle trafen, zeigt: Es ist nur eine Frage der Zeit, bis Angebot und Service zunehmen. Die Stadt entwickelt sich immer mehr zum Schauplatz moderner Citylogistik. Der Vizebürgermeisterin und Stadträtin für Verkehr, Maria Vassilakou, gehe es – außer um das Klima – um die Frage „unserer täglichen Lebensqualität“ sowie die raumeinnehmende Straßenbelastung. Jüngst hat sie UPS überzeugt. Der Paketdienst startet in diesen Tagen mit drei Lastenrädern. Diese liefern bis zu 180 Pakete täglich aus – Option auf mehr ist vorhanden. (cs)

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