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Mit Zusatzachse ins LKW-Revier

(Foto: Tschakert)

13. November 2014 | von Wolfgang Tschakert
Verbrauch

13,9 l/100 km

verbraucht der VW Crafter mit ­Zusatz­achse im Durchschnitt – selbst
bei ­schwieriger Topografie.

Preis

81.524 EUR

kostet die Spezialanfertigung, bestehend aus Crafter-50-Fahrgestell, Ackermann-­Zusatzachse und Aufbau/Ladungsträger.

Bewertung

Wolfgang Tschakert, Profitester (Foto: privat)

Effizienz versus Haltbarkeit

Schon vor zwei Jahren haben ihn die Norddeutschen zur IAA Nutzfahrzeuge gezeigt, mittlerweile bekommt man ihn vereinzelt im Verteilerverkehr zu sehen. Ob er zum Erfolgs typen taugt? Der 7,5-Tonner von VW ist nicht billig, der Kunde handelt sich obendrein mehr technische Komplexität ein. Er bekommt einen groß gewachsenen Transporter mit 12-V-Elektrik, der mit einfacher Bedienung glänzt. Antrieb, Fahrerhaus, Bremsen und Fahrwerk fallen deutlich kleiner als üblich aus, 1500 kg mehr Nutzlast pro Fuhre sind dafür ein starkes Argument. Auch beim Kraftstoff wird signifikant gespart, und wer von Hand belädt, weiß die niedrige Ladekante zu schätzen. Doch in Sachen Standfestigkeit sind Zweifel erlaubt, hier haben die einfach gestrickten LKW-Modelle die Nase vorn. Ohnehin ist der Crafter-Dreiachser als Interimslösung zu sehen. Schon 2016 steht ein konzern eigener Nachfolger ins Haus, der sicher auch für mittelschwere Ein sätze eine praktikable Lösung bietet.

Noch herrscht Ruhe bei den LKW-Herstellern, doch hinter den Kulissen wird bereits gerechnet und konstruiert. Der vielfach totgesagte 7,5-Tonner erlebt seinen nächsten Frühling, wenn 2015 die neue deutsche Mautregelung greift. 7,49-Tonner bleiben von der Autobahnmaut befreit, alle größeren und schwereren Fahrzeuge werden zur Kasse gebeten. Doch ein Makel haftet den klassischen 7,5-Tonnern an: Die Baureihen TGL (MAN), Atego (Mercedes-Benz) und Eurocargo (Iveco) dürfen legal nur 2 t und ein paar versprengte Kilogramm laden, sie sind für diesen Job einfach zu schwer. In diese Lücke stößt jetzt der Hersteller Volkswagen mit seinem Crafter-Konzept. Mit verlängertem Rahmen plus Nachlaufachse wird aus dem Fünftonner ein Verteiler-LKW mit zulässigen 7,49 t. Der 7,5 m lange LKW darf bis zu 3750 kg laden, so jedenfalls bewirbt VW Nutzfahrzeuge den schwersten Crafter.

Für den Test stehen vier Streusalzpaletten mit insgesamt 3,7 t Gewicht bereit. Palette für Palette wird verstaut, jetzt zeigen die Federn und Achsen deutlich Wirkung. Exakt 3730 kg wiegt der Dreiachser leer, voll beladen weist die Waage 7460 kg aus, inklusive der Ladebordwand von Palfinger, die 1 t stemmen darf. Der Crafter kann, was der Hersteller verspricht und was auch ein Blick auf die zulässigen Achslasten verrät. Technisch möglich wären sogar 8,3 t, das Fahrwerk ist nicht restlos ausgereizt.

Der 7,5-Tonner, den man beim VW-Händler bekommt, ist keine Werkslösung. Die Basis für den Crafter-Dreiachser ist ein serienfallendes Crafter-Chassis für 5 t. VW empfiehlt die längeren Radstände bis 4,3 m, der Testkandidat zeigt sich mit 3665 mm eher nutzlastorientiert. Er wird beim Partnerbetrieb Dathe in Dresden komplett umgebaut, das drehstabgefederte Achsaggregat wird vom Hersteller Ackermann in Memmingen beigesteuert. Von rund 250 kg Systemmehrgewicht spricht VW, die Tragkraft des Fahrgestells erhöht sich mit drei Achsen auf 4500 kg - immerhin ein Drittel mehr, als man von konventionellen 7,49-Tonnern kennt. Der Dreiachser rollt auf Mischbereifung: Achse eins und zwei werden mit dem Format 205/75 R 16 C bestückt, die Ackermann-Achse bekommt 235/65er Pneus verpasst. Die Trommelbremsen der Zusatzachse werden in das hydraulische System des Crafter integriert. Allerdings kann der Dreiachser nicht mit einem ESP-Sicherheitssystem dienen.

Kleiner Zweiliter-TDI hat gut zu tun

Was aber noch nichts heißen muss, denn auf der Straße liegt die Wahrheit. Leer bewegt sich der Dreiachser fast wie sein zweiachsiges Pendant. Trotz Länge und Zusatzachse spürt man die guten Transportergene. Das beginnt beim bequemen Einstieg, einem narrensicheren Arbeitsplatz und seiner hervorragenden Rundumsicht. Auch Lenkung und Pedalerie gehen so zu Hand und Fuß, wie sich das ein Fahrer immer wünscht. Der Antrieb mit seinen 163 PS ermöglicht ein flinkes Mitschwimmen im Verkehr.

Das Bild ändert sich freilich, wenn sich der Ladungsträger füllt - keine Spur mehr von Leichtfüßigkeit, die man vom Crafter sonst kennt. Die dritte Achse, weil nicht lenkbar, verschränkt sich in engen Kurvenra dien beträchtlich. Sie läuft auch nicht nur einfach nach, sie muss bei voller Auslastung 2800 kg mittragen. Jetzt ist auch der kleine Zweiliter-Diesel mächtig gefordert, der in dieser Fahrzeugklasse ohnehin als Winzling gilt. Trotz zweistufiger Aufladung macht sich an der Ampel zuerst eine massive Anfahrschwäche breit. Erst recht, wenn es dabei um die Kurve geht und sich die Hinterachsen verschränken, bekommt es der Fahrer mit einer Masteraufgabe zu tun. Mindestens 1500 Umdrehungen braucht der TDI dann, um in die Gänge zu kommen, den Rest erledigt die schleifende Kupplung. Wie sie es auf Dauer wegsteckt, muss die Praxis zeigen.

Aber wenn der dreiachsige Crafter dann ins Rollen kommt, ist die Welt wieder in Ordnung. Mit maximal 400 Nm ist er nicht so schlecht bestückt, und das flinke Sechsganggetriebe hält die passenden Gangstufen bereit. Bei 60 km/h kann man schon den sechsten Gang (1400 U/min) benutzen, bei 80 km/h dreht die Kurbelwelle mit 2200 Touren. So wundert es auch nicht, dass der 7,49-Tonner selbst bei schwieriger Topografie nicht mehr als durchschnittlich 13,9 l Diesel verbraucht. Der Crafter ist dabei nur unwesentlich langsamer als seine deutlich stärkeren LKW-Kollegen.

Motor bremst bergab wenig mit

An den Fahreigenschaften gibt es wenig auszusetzen. Der lange Crafter läuft vorzüglich geradeaus und steckt miese Fahrbahnen weg, ohne aus zukeilen. In schnellen Kurven untersteuert er massiv, aber für den Fahrer immer berechenbar. Bei hoher Beladung nimmt die Wankneigung zu, eine Konsequenz des schmal spurigen Fahrwerks und der kleinen Räder - der Crafter bleibt aber immer auf der sicheren Seite.

Im Winter muss der Kunde gerade bei Leerfahrt oder teilbeladen mit Traktionsproblemen rechnen, die mechanisch gefederte Nachlaufachse lässt sich weder liften noch entlasten. Und Vorsicht bei Bergabfahrten: Hier bremst der kleine Motor im Schubbetrieb mangels Schleppmoment nur wenig mit. Hier hilft nur: runter mit der Geschwindigkeit und die Bremsanlage schonen. Zu empfehlen wäre ein Telma-Retarder als verschleißfreie Dauerbremse. Doch die Wirbelstrombremse bringt zusätzliches Gewicht und weitere Kosten. Genau das kann sich der Crafter-Dreiachser aber nicht mehr erlauben. Die Anschaffung kostet circa 80.000 EUR. Weil der Kunde keine Werkslösung erwirbt, rechnet er sein Fahrzeug in einem Drei-Rechnungen-Geschäft ab. Sein Ansprechpartner ist der VW-Händler. Dorthin geht er auch im Gewährleistungsfall: Der Hersteller steht für das Grundfahrzeug plus alle Umbauten mit einer Garantie von zwei Jahren gerade. (cs)

 

 

 

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