placeholder placeholder placeholder placeholder placeholder placeholder placeholder placeholder

Hochdach hilft im Alltagsgeschäft

Die Ladehöhe bietet Raum für 1,70 m hohe Paletten - ein VW Caddy muss an dieser Stelle passen. (Foto: Tschakert)

10. Juli 2013 | von Wolfgang Tschakert

 

Ass dank XL-Dach

Viel Nutzwert fürs Geld, meint DVZ-Tester Wolfgang Tschakert

Dass der günstige Fiat Doblo Cargo zu den modernsten Vertretern seiner Klasse zählt, wissen die Experten nicht erst seit gestern. Und dennoch hat er es nicht leicht, sich gegen Caddy & Co durchzusetzen. Dabei bringt er alles mit, was der Kunde fordert: reichlich Laderaum und ausreichend Nutzlast, moderne sparsame Motoren und komfortable, sichere Fahreigenschaften.

Als Lademeister mit XL-Hochdach ist er ein Ass. Damit distanziert er seine Klassengenossen regelrecht, wie der DVZ-Wirtschaftlichkeitsindex zeigt. In Sachen Ladevolumen und Nutzlast kann ihm kein Mitbewerber das Wasser reichen.

Für Vielfahrer empfiehlt sich der große Dieselvierzylinder, auch wenn sich mit der nächstkleineren Maschine ein Tausender sparen ließe. Mit dem 2,0 Multijet unter der Haube ist der Doblo wirklich souverän motorisiert, damit legt er auch lange Distanzen komfortabel zurück. Wer überlegt fährt, spart bei den variablen Kosten, auch der Expresszuschlag fällt moderat aus. Einer gewinnt immer: Der Controller reibt sich bereits bei der Anschaffung die Hände

Zuerst haben sich die Fiat-Strategen noch verweigert. "Ein Cargo Maxi mit Hochdach - das wär´s doch", hatten erste Interessenten schon bei der Doblo-Präsentation vor Jahren gefordert. Weil der dem größeren Modell Scudo in die Quere kam, musste die größte Variante des Doblo-Kastenwagens noch warten.

Jetzt kommt er aber doch und soll künftig sogar den Scudo ersetzen. Denn glaubt man den Branchengerüchten, bearbeitet Fiat dieses Transportersegment künftig mit einem eigenen Produkt. Der größte Doblo im Programm wäre dafür trefflich gerüstet - allein mit seinem Ladevermögen hätte er überzeugende Qualitäten zu bieten. Bis zu 5,4 m³ Laderaum etwa und einen niedrigen Ladeboden; ein genauerer Blick verrät noch mehr. Beispielsweise die Ladehöhe ist rekordverdächtig. Der Testkandidat nimmt es mit 1,70 m hohen Paletten auf. Da muss ein VW Caddy längst passen, selbst der nächstgrößere VW-Transporter lässt im Heck nur 1,40 m hohe Ladestücke passieren. Und auch bei der Nutzlast zeigt sich der Italiener nicht knausrig: Knapp eine Tonne darf der XL-Doblo laden und ist damit noch längst nicht ausgereizt. Denn die Summe der zulässigen Achslasten zeigt, dass hier noch Luft nach oben wäre. Die man bei schweren unteilbaren Ladungen braucht, um Vorder- oder Hinterachse nicht zu überlasten.

Optisch kommt der größte Doblo fast filigran daher, seine Karosserie duckt sich zwischen den langen Radstand. Mit 2,12 m Höhe passt er in keine Norm- oder Tiefgarage, mit 4,74 m Länge erreicht er fast das VW-Transporter-Maß. Mit dem er es sogar in den Disziplinen Fahrsicherheit und -komfort aufnehmen kann, schließlich rollt der Doblo auf vier einzeln geführten und gefederten Rädern. Ob leer oder mit Ladung - seine Fahreigenschaften sind untadelig. Das wohlkomponierte Doblo-Fahrwerk steckt lange Bodenwellen oder fiese Querschläger weg, schont dabei Fahrer und Ladung. Mit langem Radstand spurt er mustergültig geradeaus, ohne den Fahrer mit Korrekturen zu stressen. Und mit breiter Spur fährt er zielsicher durch schnelle Wechselkurven, eindeutig untersteuernd, doch stets berechenbar. Schwere Ladung im Heck steckt er weg, ohne dabei instabil zu werden, seine Balance stimmt. Der Fahrer muss es schon sehr übertreiben, um das ESP-System zum Eingreifen zu bewegen. Keine besonderen Lorbeeren verdient sich der große Doblo allerdings mit seinen Bremsen. Zwar wird er mit größeren Scheibenbremsen an der Vorderachse bestückt, aber an den Hinterrädern verzögern normale Trommelbremsen. Bei mehrmaligen Vollbremsungen werden die Bremswege länger, und das Bremspedal gibt verdächtig nach.

Gut motorisiert und bequem

Auch der Antrieb kann sich sehen lassen. Der Motor sitzt vorn quer und treibt die Vorderräder an. In diesem Fall ist es das stärkste Triebwerk der Baureihe, ein moderner vierzylindriger Selbstzünder mit 2 l Hubraum und 135 PS. Für 1000 EUR Aufpreis gegenüber dem nächstkleineren Diesel bekommt der Kunde einen souveränen Antrieb, der spontan am Gas hängt und im Gegensatz zu seinen kleinen Dieselkollegen keine Anfahrschwäche kennt. Für den Standardsprint auf Tempo 100 nimmt er sich nur 11,8 s Zeit - übrigens genauso lange, um im sechsten Gang von 80 auf 120 km/h zu beschleunigen. Auf der Autobahn erreicht er maximal 176 km/h. Und am Ende zeigt er sich bei entsprechender Fahrweise sogar sparsam. Die Sechs-Liter-Marke wird nur knapp geschrammt, bei warmem Wetter geht es sogar sparsamer. Und wer es eilig hat, braucht 7,5 l/100 km. Ein automatisiertes Dualogic-Getriebe mit fünf Gängen wird nur für den 90-PS-Diesel angeboten.

Auch das Fahrpersonal braucht sich nicht zu beklagen. Ordentliche Sitze und ein klares Cockpit sammeln weitere Punkte. Aber man sitzt relativ tief und mittig im Doblo, um die Übersichtlichkeit ist es nicht zum Besten bestellt. Und wer auf großem Fuß lebt, kämpft mit den engstehenden Pedalen, typisch Fiat. Im Alltag immer erfreulich: die zahlreichen Ablagen im Doblo, auch Flaschenhalter wurden nicht vergessen. Die Bluetooth-Freisprecheinrichtung für Mobiltelefone für 350 EUR sollte jedenfalls an Bord sein, sie lässt sich einfach und mit Sprachsteuerung bedienen. Die Klimaanlage, fein automatisch regelnd, kommt dem Käufer mit 1090 EUR extra teuer zu stehen.

Skepsis gegenüber der gelieferten Qualität wird mit dem ersten Türschließen zerstreut. Alle Türen, auch die Schiebetür und das Heckportal, schließen satt und nicht flattrig blechern. Auch die Spaltmaße stimmen, was für eine routinierte Fertigung spricht. Der Doblo wird vom türkischen Joint-Venture-Partner Tofas in Bursa gebaut. Ein Unternehmen des Koc-Konzerns, der auch für Renault und Ford arbeitet. Vertrauen soll die zweijährige Vollgarantie ohne Kilometerbegrenzung schaffen, drei Jahre wird für das Lackkleid eingestanden und acht Jahre gegen Durchrostung.

placeholder placeholder placeholder placeholder placeholder placeholder placeholder placeholder

Schreiben Sie uns Ihren Kommentar!

Kommentar online veröffentlichen
Kommentar nur an die Redaktion senden
Online verfasste Kommentare können auch als Leserbriefe in der Printausgabe der DVZ veröffentlicht werden. Mit dem Absenden des Kommentars stimmt der Nutzer dieser Veröffentlichung ausdrücklich zu.

* Pflichtfeld