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Die Fracht auf der Gracht

Ausgedient: Das schwimmende Distributionszentrum „Hollands Glorie“ in Amsterdam will DHL nach 20 Jahren ersetzen. Das neue Boot wird einen Elektroantrieb haben. (Foto: Mauritius Images)

22. Dezember 2016 | von Axel Granzow

(Foto: DP DHL)

Die Rolle des Rads bei UPS

In Deutschland – aber auch in einigen anderen Ländern wie Belgien – setzt UPS ebenfalls auf ein Konzept, bei dem das Fahrrad die entscheidende Rolle spielt. Der Paketdienst hat dafür sogar bereits einen Preis gewonnen: den Hanse-Globe 2016 der Logistik-Initiative Hamburg. Seit ein paar Jahren schon setzt das Unternehmen in einigen Städten wie Hamburg, Offenbach am Main, Herne und Oldenburg auf das Rad oder die Zustellung mit Sackkarre, unterstützt von E-Transportern. Weitere Projekte sind zum Beispiel in Bochum, Dortmund, Düsseldorf und Köln geplant. Dafür werden mobile Depots aufgestellt, in der Regel Container oder Paketwagenanhänger, die als zentrale Anlaufstelle dienen. Eingesetzt werden Lastenräder, aber auch sogenannte Cargo Cruiser, elektrisch unterstützte Lastenräder mit einem Ladevolumen von 2,2 m3. In München und in Hamburg nimmt UPS zudem am Projekt „City2Share“ teil. Dabei testet ein Firmenkonsortium unter Leitung von BMW Konzepte auf Basis der E-Mobilität. Das Bundesumweltministerium bezuschusst das Projekt im Rahmen des Programms „Erneuerbar Mobil“ mit 5,8 Mio. EUR. Getestet wird unter anderem ein Konzept, das auf elektrische Lastenräder zurückgreift, um ein E-Lieferkonzept für innerstädtische Wohnquartiere zu schaffen.

60 Prozent

der Expresssendungen in niederländischen Innenstädten stellt DHL bereits per Rad zu.

 

1000 l

Ladevolumen hat der abnehmbare Container des City-Lieferfahrrads Cubicycle.

 

10 Fahrzeuge

hatte das am 23. Oktober 1997 erstmals in Dienst gestellte Boot in Amsterdam ersetzt.

Quelle: DHL

Die Serie Metropolitan Logistic der DVZ stellt Trends und Entwicklungen vor, die künftig die Versorgungskonzepte der Ballungsräume verändern werden.

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Wenn die Gondeln Pakete befördern, sind das auf dem Canale Grande in Venedig in der Regel die Boote von DHL oder UPS. Die drei von DHL als auch die zwei, die im Auftrag von UPS fahren, ähneln zwar eher kleinen Lastkähnen als den schlanken Gondeln, mit denen die Touristen durch die Kanäle gerudert werden. Sie sind hier aber wohl alternativlos. Denn mit dem Auto oder dem Fahrrad kann man in der Altstadt von Venedig wenig ausrichten.

Das hat sich DHL Express wohl auch in Amsterdam gedacht. Denn dort in der Prinsengracht und anderen Grachten (Gräben), wie die Kanäle der Stadt genannt werden, setzt das Unternehmen ebenfalls auf ein Boot.

Es heißt „Hollands Glorie“ und ist schon ein wenig in die Jahre gekommen. Daher soll es im nächsten Jahr durch ein modernes Boot ersetzt werden, das mit einem elektrischen Antrieb ausgestattet sein wird. „Wir setzen das Boot in Amsterdam aber nur in der Distribution ein“, sagt Roy Hughes, bei DHL Express zuständig für Network Operations und Aviation. Es soll daher künftig bei nur einem Boot bleiben.

DHL Express Floating Service nennt sich der Dienst in dem Grachtengürtel. Das seit Ende der 90er Jahre eingesetzte ehemalige Touristenboot, das damals zehn Lieferfahrzeuge ersetzte, dient als Service-Stützpunkt. Dort sortieren die Rucksackkuriere die Expresssendungen, in erster Linie Briefe, um sie schneller an die Kanzleien und Büros in der verwinkelten Altstadt ausliefern zu können. Die Sendungen wurden zuvor vom Boot aus einem am Wasser liegenden Paketzentrum übernommen und zu den Treffpunkten gefahren. Nachts parken die Fahrräder auf dem Boot.

Dahinter steckt ein spezielles Citylogistik-Konzept. Das ist in Amsterdam auch dringend nötig: Die Zulieferdienste verstopfen angesichts des wachsenden Paketaufkommens zunehmend die City. Wie bestellt, blockierte auch bei der DHL-Präsentation des Boots das Zustellfahrzeug eines Konkurrenten die schmale Straße an der Gracht. Die Folge: Schnell stauten sich PKW zu einer langen Schlange – nichts ging mehr.

Städte wollen Dieselfahrzeuge verbannen
Die Expressdienste geraten zunehmend – und das nicht nur in den Niederlanden – unter Druck, ihre City-Zustellung anders zu organisieren. Die Luftverschmutzung und Verkehrsstaus setzen immer mehr Städten zu. In den Niederlanden wollen Großstädte wie Rotterdam, Utrecht und Amsterdam Dieselfahrzeuge möglichst ganz aus der Innenstadt verbannen und haben sich ehrgeizige Umweltziele gesetzt.

„Seit 2010 haben wir 5 bis 6 Mio. EUR allein zur Förderung von umweltfreundlichen Fahrzeugen ausgegeben“, sagt David Gelauff, Leiter des „Air Quality Program“ der Stadt. Insgesamt waren es bislang inklusive der Förderung des öffentlichen Verkehrs 12 bis 14 Mio. EUR. „Wir wollen aber nur eine Anschubfinanzierung leisten“, betont er. Ziel sei auch, die Infrastruktur für Fahrräder und E-Fahrzeuge zu schaffen. Bis 2018 will Amsterdam etwa 4000 Ladestationen errichten lassen, bislang sind es mehr als 2000.

Während UPS in Amsterdam-City allein auf E-Transporter setzt, hat sich DHL etwas Besonderes ausgedacht: „Wir setzen auf einen Mix von umweltfreundlichen Zustellfahrzeugen“, sagt Hughes. Neben dem Boot als Service-Stützpunkt kommen bei DHL Express vor allem Fahrräder und zusätzlich E-Transporter zum Einsatz, die ebenfalls Pakete ausfahren und auch die Fahrradzusteller beliefern.

Jüngste Errungenschaft: das Cubicycle – ein Lastenfahrrad, das mit einem abnehmbaren Container ausgestattet ist (siehe Foto unten). Ab Anfang 2017 sollen sechs davon allein in Amsterdam eingesetzt werden. Der Container wird vorgeladen und mit dem Elektroauto an Stationen in der Innenstadt gebracht, wo die Fahrer der Cubicycles ihn übernehmen und die Expresssendungen zustellen. Damit können auch Fußgängerzonen genutzt werden. Das mit einem elektrischen Hilfsantrieb ausgestattete Cubicycle, dessen besondere Merkmale die Liegehaltung und das dadurch erreichbare Tempo sind, gehört zu einer Flotte von verschiedenen Lastenrädern. Ein Unterschied im Vergleich zu den anderen 48 Fahrrädern, die DHL in niederländischen Städten nutzt, ist die Möglichkeit, damit größere Pakete zuzustellen. Im Vergleich zu dem mit einer festen Transportbox (160 l Fassungsvermögen) ausgestatteten Parcycle sowie dem Citybike für Rucksackkuriere bietet der Container des Cubicycle mit 1000 l Volumen deutlich mehr Platz.

Cubicycle fährt bald in Bonn
In den Niederlanden machen Fahrräder inzwischen 10 Prozent an der Zustellflotte von DHL Express aus. Der Anteil der Zustellung per Rad in den Innenstädten liegt bei 60 Prozent. In Amsterdam sind 14 Räder im Einsatz, mit denen dreimal täglich zugestellt wird.

DHL Express will den Einsatz von Lastenrädern und Rucksackkurieren in Innenstädten in ganz Europa forcieren. Dabei soll das Cubicycle eine besondere Rolle spielen: Anfang 2017 geht es in Bonn an den Start. Geplant ist der Einsatz in 13 europäischen Ländern und mehr als 80 Städten. (cs)

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