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Neue Lösungen für die Citylogistik gesucht

Statt Autos sind immer mehr Lastenräder unterwegs, um Sendungen abzuholen oder zuzustellen. (Foto: DDP Images/Steffi Loos)

21. September 2015 | von Horst Manner-Romberg
Der Autor

Horst Manner-Romberg, Unternehmensberater, Hamburg

 

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Kuriere fahren im Schnitt Tag für Tag in der Hamburger Innenstadt.

Quelle: eigene Recherche

 

 

Im Zuge des E-Commerce-Booms etablieren sich derzeit zunehmend neue Lieferkonzepte, die an die klassischen Citylogistikprojekte der 90er Jahre erinnern. Endkundengetrieben und auf den B2C-Sektor fokussiert, scheinen die neuen Angebote diesmal allerdings auf eine stärkere Nachfrage zu stoßen.

Ob Reglog, Stadtlogistik Essen oder Isolde – die in der Regel politisch getriebenen Citylogistikkonzepte der 90er Jahre gehören heutzutage der Vergangenheit an. Dennoch war und ist der Grundgedanke, Sendungen auf der Beschaffungsseite zu bündeln und teilweise in B2B-Lieferungen zu integrieren, nachvollziehbar und richtig: Durch Bündelung von Transporten sollen ökologische und ökonomische Vorteile für alle Prozessbeteiligten generiert werden.

Doch die Realität sah anders aus. In den meisten Fällen bestand die Citylogistik in der Kooperation von Speditionen, die ihre Anlieferungen in die Innenstadt gemeinsam auf einen spezialisierten Dienstleister übertrugen. Solche Konzepte mussten in der Regel nach dem Auslaufen der jeweiligen Anschubfinanzierung aufgrund der technischen und betriebswirtschaftlichen Herausforderungen beendet werden.

Zeitnahe Lieferung

Dennoch stellen citylogistische Ansätze der Warenbündelung einen wesentlichen Stellhebel für die Reduzierung der Umweltbelastung und der verkehrlichen Belastung insbesondere in städtischen Ballungsräumen dar. Dies gilt umso mehr im Zusammenhang mit dem zunehmenden E-Commerce im Alltagsleben. Vor allem die auf den lokalen Handel bezogenen E-Commerce-Geschäftsmodelle, die eine zeitnahe Lieferung per Kurier an Privatkunden beinhalten, haben das Potenzial, mittelfristig einen spürbaren Anstieg der verkehrlichen Belastung herbeizuführen. Auslöser ist, dass eine Vielzahl neuer E-Commerce-Anbieter, insbesondere kommerzielle Einkaufsdienste (etwa Instacart) oder Same-Day-Makler (beispielsweise Liefery oder Tiramizoo), jede Bestellung direkt und häufig innerhalb von nur 90 Minuten liefern. Ob dies allerdings auf breite Akzeptanz von Privatkunden – insbesondere angesichts des in der Regel teuren Zuschlags – trifft, darf bezweifelt werden.

Neue Konzepte fokussieren sich deshalb auf die Konsolidierung von B2C-Sendungen im lokalen Umfeld. Kunden haben bei diesen Services die Möglichkeit, sich Waren aus mehreren lokalen Einzelhandelsgeschäften mit nur einer Zustellung anliefern zu lassen. Dies gilt auch für größere Gegenstände wie Möbel; zudem werden weitere haushaltsbezogene Dienste wie beispielsweise die Lieferung und Abholung von Wäsche in der Textilreinigung angeboten.

Eine solche Lösung könnte demnächst auch in der Freien und Hansestadt Hamburg angeboten werden. Die auf den Kep-Markt spezialisierte MRU GmbH hat eine verkehrsarme und optimierte Lieferlösung für Kunden des lokalen Einzelhandels in Ballungsräumen entwickelt. Grundlage dafür ist die Erwartung, dass der stationäre Einzelhandel künftig verstärkt das Internet als Absatzkanal nutzen wird. Schon jetzt werden allein in der Hamburger Innenstadt täglich gut 500 Kurierbewegungen registriert. Sollten stationäre Einzelhändler – womit zu rechnen ist – zunehmend ihren Kunden die Lieferung von bestellten Waren anbieten, würde sich die Verkehrssituation rapide verschlechtern und die Umwelt zusätzlich belastet werden.

Abhilfe schafft der Einsatz von (Lasten-)Fahrrädern, die anstatt der bisher eingesetzten PKW und Transporter Sendungen in der Innenstadt abholen beziehungsweise zustellen. Die eingesammelten Sendungen werden in eine eigens entwickelte technische Relaisstation eingeliefert, mit deren Hilfe die Sendungen dynamisch gesammelt und umgeschlagen werden können. Von dort aus werden die im Laufe des Tages eingesammelten Sendungen im Rahmen von Sammeltouren in den Abendstunden per PKW-Kurier ausgeliefert. Daraus ergibt sich eine verkehrsneutrale und ökologisch einwandfreie Lieferlösung für den stationären Einzelhandel.

Zustellung am Abend

Wesentlich für die erfolgreiche Umsetzung des Vorhabens ist die Einbindung der unterschiedlichen Stakeholder: Handel, Politik und Transportdienstleister. Sowohl Hamburgs Behörde für Wirtschaft, Verkehr und Innovation als auch Vertreter der Einzelhandelsverbände haben ihre Bereitschaft signalisiert, dieses Projekt zu unterstützen. Gleichzeitig konnten die größten Hamburger Kurierdienste für das Vorhaben gewonnen werden. So kann ein reibungsloser Sendungsübergang zwischen den Anbietern garantiert werden, wodurch das Konsolidierungspotenzial in der Auslieferung deutlich erhöht wird.

Insgesamt zeichnet sich diese Lösung für eine Einbindung des stationären Handels in ein E-Commerce-basiertes Urban-Delivery-Projekt durch eine hohe Umweltverträglichkeit, geringe Anschubinvestitionen sowie eine Verkehrsentlastung insbesondere in der Innenstadt aus. Zudem kann das Konzept als zukunftssicher gelten, da die Kapazität der Umschlaglösung individuell angepasst werden kann und weitere Kooperationspartner ohne größeren Aufwand integriert werden können.

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